09.08.2008

Doomsday

An wen auch immer, der bewilligt hat, dass dem Regisseur und Autor Neil Marshall ("The Descent") genug Geld (ganz wenig kann es angesichts der Produktion nicht gewesen sein) zur Verfügung stand, dass er sich mit "Doomsday" so hemmungslos austoben konnte, wie es der Film bezeugt: Respekt.

Denn ich habe lange keinen Film mehr gesehen, der dermaßen viele "WTF?"-Momente hatte. Am Anfang wirkt "Doomsday" noch ziemlich konventionell, nach Art von offensichtlichen Vorbild-Endzeit-/Horror-Thrillen wie "Die Klapperschlange"oder "28 Days/Weeks Later":

Ein Killer-Virus (der Menschen zu zombieartigen Monstern macht, yadda yadda) brach in Schottland aus. Daraufhin wird Schottland mit einer riesigen Mauer von Rest des Königreichs abgetrennt. Als 25 Jahre später der Virus mitten in London wieder auftaucht, wird unter der Leitung von Majorin Eden Sinclair ein Team von Elitesoldaten hinter die Mauer geschickt, da dort inzwischen nicht erkrankte Überlebende entdeckt wurden: Man vermutet, der in Schottland zurückgebliebene Wissenschaftler Dr. Marcus Kane habe ein Gegenmittel entwickelt, welches die Truppe also besorgen soll.

Klingt einer sich entwickelnden, konventionellen 10-kleine-Negerlein-Variante (in diesem Genre hat Marshall mit "The Descent" ja bereits einen durchaus erfolgreichen Eintrag vorzuweisen), und nach diesem Schema sowie düster, überaus blutig, und auf Spannung getrimmt beginnt "Doomsday" auch.

Kurz hinter der Mauer dreht sich der Ton, unangekündigt und unerwartet dramatisch: Die Überlebenden entpuppen sich als eine Horde durchgeknallter post-apokalyptischer Punks mit Hang zum Kannibalismus, Varieté-Shows, aufwändigen und bizarr aufgemotzten Fahrzeugen. WTF?

Na gut, denn eben doch eher "Mad Max", denkt man sich... und schwups findet man sich nach einer kurzen Fahrt mit einer Dampflok mitten in einem Ritter-Film wieder, inklusive Rüstungen, Schwerter, Pfeil und Bogen und Pferde. Dr. Kane residiert nämlich inzwischen ganz nach Art eines mittelalterlichen Fürsten in einer Burg. WTF?

Auf der Flucht vor Kanes berittenen Häschern finden Sinclair und ihre wenigen verbliebenen Gefährten in einer verlassenen unterirdischen Militär-Basis einen (trotz 25 Jahren Lagerzeit) nigelnagelneuen Luxuswagen und perfekt funktionierende Handy. WTF?

Damit gibt's dann zum Abschluss noch eine ausgedehnte klassische, na gut etwas blutigere, Verfolgungsjagd mit den Punks.

Wie gesagt: "Doomsday" ist eindeutig die überdimensionale Spielwiese von Neil Marshall. Viel Hirn darf man nicht erwarten (oder doch: Auf der Leinwand schon), aber wen interessiert das ernsthaft? Sehr spaßig.

Kommentare

Oh, was hab ich im Kino gejubelt, als ich diesen Film sah. Sehr abwechslungsreich und ein wunderbarer Genremix aus Horror, Endzeit, Trash, Mittelalter und Action. Hat mir sehr gefallen und hat leider viel zu wenig Beachtung bekommen.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien