21.10.2004

Die taz taugt auf Umwegen

Eine erste Entdeckung anläßlich des infamösen taz-Artikels habe ich schon beschrieben. Die bisher beste Platte, die ich mir aufgrund dessen zugelegt habe, ist aber mit Abstand "The Soft Bulletin" von den Flaming Lips.

Der Name der Band war mir in den letzten Jahren in verschiedenen Publikationen immer wieder unter- und so in den entlegenen Reichweiten-Regionen meines "bei Gelegenheit mal antesten"-Radars gekommen. Der Artikel bot nun den letztgültigen Anlaß, mir einmal eine Flaming Lips-CD zu besorgen. Nach ein wenig Netzrecherche fiel die Wahl schnell auf "The Soft Bulletin".

Dieses Album schüttelt eine feinsinnige Popperle nach der anderen aus dem Aluärmel - und diese klingen trotz aller aufgeplusterten Arrangements mit jede Menge Streichern und Gimmicks empfindsam und intim und dennoch hymnisch und erhebend. Alleine der Gesangs-Anfang von "The Spark That Bled" mit dieser unverschämt intelligenten, zärtlichen, vertrackten, mitsummbaren, von einem Bläsersatz begleiteten Akkord-Folge ist fast das Eintrittsgeld wert. Die Grenze zum Kitsch wird in manchen Passagen zwar angepeilt, aber nie überschritten: dafür sorgt alleine der gequälte Gesang und vor allem das absichtsvoll in Sub-Lo-Fi-Qualität scheppernde Schlagzeug, das einen heilvollen Kontrast zum ansonsten vorherrschenden Arrangement-Hochglanz herstellt.

Und was sagt der ProgFaktor? Naja. taz-Prog halt. Wobei "The Flaming Lips" noch zu den nachvollziehbareren Beispielen gehören. Denn so bizarr es klingen mag: die Flaming Lips sind die besseren Yes.

Ja: Yes.

Wenn Yes in den letzten Jahren glauben, melodisch und poppig werden zu müssen, wird's esoterisch, schleimig, süsslich, pappig: unerträglich. Die "Flaming Lips" klingen eben stellenweise genauso, wie "Yes" klingen müssten, wenn sie doch noch tolle hymnische Pop-Nummern schreiben könnten. Dieser Eindruck wird durch die Vortragsweise und Stimme des Sängers nicht gerade geschmälert, der in manchen Passagen frappierend nach einem jüngeren, quäkigeren und vor allem wesentlich cooleren Jon Anderson klingt. Ja.

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