dEUS und Admiral Freebee, Backstage, München, 14.11.2005
Selten habe ich bei einem Live-Konzert einen dermaßen brillanten Sound erlebt - mit eingesetztem Gehörschutz. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie dEUS (übrigens auch die Vorgruppe Admiral Freebee, die ebenfalls rein akustisch sehr gut klangen - zur Musik unten mehr) gestern abend ohne eingesetzte Stöpsel wirkten - mit war es hervorragend. Im Umkehrschluss muss es ohne deutlich zu laut und höhenlastig gewesen sein, was ich aber mit Rücksicht auf mein Gehör nicht getestet habe. Es würde mich angehörs dessen nicht wundern, wenn auch der Mann am Mischpult gestöpselt war, was - obwohl es bizarr klingt - nicht ungewöhnlich wäre. Leider ist der Platz des Soundmanns in der Backstage-Halle oben unterm Dach auf der Galerie, so dass ich ihm nicht in die Ohren schauen konnte.
Aber selbst wenn er unten im Saal stationiert gewesen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich kaum bis zu ihm vorkämpfen wollen: selten habe ich das Backstage dermaßen gefüllt erlebt. Seltsamerweise war es relativ weit vorne ein klein wenig luftiger - wenn auch dennoch drängend eng - als weiter hinten. Wie in letzter Zeit immer öfter war das Publikum nicht nur zahlreich, sondern auch erstaunlich jung und weiblich. OK, ich werde zwar nicht weiblicher, aber nicht jünger, nur relativ der Rest der Welt. Aber da dEUS schon seit längerer Zeit aktiv sind und gerade ihre erste Platte nach mehreren Jahren Pause herausbrachten, hatte ich mir etwas älteren Fans gerechnet, und sicher nicht mit solchen Massen.
Die meines Wissens nirgendwo angekündigte Vorband "Admiral Freebee" (wie "dEUS" aus Belgien) begann mit der üblichen halben Stunde Verspätung gegen 21:00. Drei Stücke lang waren sie OK, aber danach wurde der Bob Dylan- und Neil Young-inspirierte (musikalisch, nicht unbedingt was die Lyrik angeht, siehte Textpassagen wie ""Devil with a pussy / devil with a pussy / devil with a pussy / devil with a pussy") AlternaBluesRock und das zwar selbstbewusste, aber reichlich bekiffte Gepose langweilig und nervig und die dreiviertel Stunde Admiral Freebee zog sich und zog sich.
dEUS waren wie erwartet deutlich besser, wenn auch keines meiner persönlichen Konzerthighlights. Dafür kamen live zuwenige der Verschrobenheiten und Schrägheiten an, die den melancholischen, aber abwechslungsreichen Alternative Rock der Gruppe auf ihren Alben von der Masse der ähnlichen Bands abheben. Insbesondere kamen diese "Gimmicks" - wenn eben überhaupt - teils vom eingespielten Band, und nur die mir persönlich zu spärlichen Violinenpassagen deuteten an, was möglich wäre.
Trotzdem diesen Gemeckers war's aber ein kurzweiliges Konzert, und das Publikum ging vor allem gegen Ende recht begeistert mit, inklusive einiger Versuche des Crowd Surfings.
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Kommentare
Tja, ich war dann derjenige, der das ganze OHNE Stöpsel testen durfte - und heute, einen Tag später, immer noch taube Ohren davon hat. Es ist schon schade, dass auf diesen Konzerten immer so aufgedreht wird, zumindest kommt mir das in letzter Zeit so vor. Gerade die Musik von dEUS, die ich sehr schätze, lebt von der Dynamik, und die geht vollkommen flöten, wenn schon die "ruhigen" Parts am Lautstärkelimit laufen, und die krachenden Eruptionen dann alles nur noch zerbrezeln. Trotz allem eine saubere Leistung der Band, die mir gezeigt hat, dass diese doch recht schräge Alternativmucke durchaus auf der Bühne rocken kann. Das nächste Mal dann bitte insgesamt etwas leiser und die Geige lauter. Und dem nervigen pogenden Jungvolk rate ich: Geht doch lieber zu Biohazard... ;-)
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