19.04.2006

Day Watch (Dnevnoy dozor / Dnevnoi dozor)

Leicht gefrustet musste ich vor ein paar Wochen feststellen, dass die erste offizielle russische DVD von "Day Watch / Dnevnoy Dozor" im Gegensatz zur "Night Watch"-DVD keine englischen Untertitel enthielt. Schließlich wird es mit Sicherheit noch Monate oder länger dauern, bis der Film in deutsche Kinos kommt (und selbst wenn, ist er wahrscheinlich wieder für den internationalen Markt geschnitten).

Zwar stellt dies in Zeiten moderner Video-Technik und des Internets kein unüberwindbares Problem dar, immerhin gibt es haufenweise Websites, auf denen fangeschaffene Untertitel für internationale Filme in verschiedenen Formaten zum Herunterladen angeboten werden.

Dennoch bedeutet es einen gewissen Aufwand, diese überhaupt mit der entsprechenden Software mit dem Film zu verbinden - Zeit, die ich lieber produktiver nutze. Andere sind aber mit Sicherheit weniger skrupellos, vor allem diejenigen, die dann untertitelte Raub-DVDs zum Verkauf anbieten. Vielleicht auch deshalb hatten die russischen höheren Mächte relativ schnell ein Einsehen, und inzwischen gibt es auch eine legitime DVD mit englischen Untertiteln, sogar - im Gegensatz zur russischen "Night Watch"-DVD - mit englischer Menüführung.

Nicht nur der Film "Day Watch" ist damit erhältlich, auch der zweite Buchband der literarischen Vorlage, "Wächter des Tages", ist inzwischen in der deutscher Übersetzung erschienen. Aber Achtung: "Day Watch" adaptiert wie "Night Watch" Motive einer der Geschichten (die rund um die "Schicksalskreide") aus dem ersten Band, und zwar dermaßen abschließend, also ein neues Ende einführend, dass es scheint, dass damit die Filmreihe zu ihrem Ende gekommen ist und es doch nicht, wie es früher an verschiedenen Stellen hiess, auch eine filmische Trilogie geben wird.

Vielleicht ist das Geld, das für den möglichen dritten Teil geplant war, in "Day Watch" geflossen. Diesem sieht man nämlich ein merklich größeres Budget an. Die "historische" Rückblenden-Szene in "Night Watch" etwa gehörte zu den visuell magersten Momenten des ansonsten erstaunlich opulenten und optisch innovativen Films. Der Nachfolger beginnt mit einem ähnlichen Ausflug, der allerdings sowohl ausgedehnter als auch wesentlich eindrucksvoller inszeniert ist, inklusive Schlachtengetümmel, ausladender altertümlicher Kulissen und netter Kamera- und Effekteinfälle.

Doch möglicherweise hat das ausladendere Budget und die damit im Vergleich zu ähnlich gelagerten Hollywood-Produktionen ebenfalls weiter gestiegene Konkurrenz-Fähigkeit auch Nachteile, denn "Day Watch" wirkt gerade bis zur großen Schlusskonfrontation deutlich konventioneller als "Night Watch". Die verrückten, surrealen visuellen Einfälle des ersten Teils dienten vor allem dazu, das magische literarisch erschaffene Universum Lukianenkos mit den übermenschlichen sogenannten Anderen, die sich in Dunkle und Lichte aufteilen, sowie dessen Möglichkeiten und Gesetze im Film über die Optik einzuführen, was arm an echten Erklärungen, aber reich an überwältigenden Eindrücken und rätselhafter Symbolik war. "Day Watch" ist in diesem Sinne insgesamt deutlich zahmer. Zwar kann man dadurch der Geschichte bis kurz vor Schluß leichter folgen, aber die Faszination, die Düsterheit und der alles überrollende Bilderreichtum, der für mich große Teile des ersten Films ausmachte, fehlen. Es gibt zwar auch einige ansatzweise absurde Situationen und etliche Effektszene, aber viele davon eher im Action-Bereich, insbesondere in Sachen überzogener magischer Autofahrten und Verfolgungsjagden, aber ohne die symbolische Anmutung vergleichbarer Passagen im ersten Film. Dafür ist der Humoranteil - gottseidank unpeinlich - gestiegen, was insgesamt "Day Watch" zugänglicher machen dürfte, auch wenn Berichten von Einheimischen zufolge etliche Gags und Anspielungen nur Russen geläufig zu sein scheinen (etwa eine Ansammlung russischer Berühmtheiten bei einer Party der Dunklen).

Erst zum Ende hin gewinnt die vertrackte Rätselhaftigkeit und albtraumhafte Seltsamkeit wieder die Überhand, und gleichzeitig wird der Bogen zum ersten Film geschlagen und die Gesamt-Geschichte abgeschlossen. Auf welche Weise will ich nicht verraten, denn diejenigen, die bis hier hin gelesen haben, werden sich den Film wahrscheinlich trotz der erwähnten Schwächen doch ansehen wollen. Denn für einen außergewöhnlich interessanten und dank seiner russischen Herkunft "exotischen" Fantasy-Film reicht's immer noch locker.

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