10.05.2005

Das Guapo-Experiment, Teil 1: Guano oder hübsch?

Gestern in der U-Bahn hörte ich Guapos neueste, "Black Oni", wieder wie das Vorgängeralbum "Five Suns" eine fünfteilige Zeuhl-Suite voll pochendem Bass, düster-verschlungenem E-Piano und martialischer Rhythmik, die diesesmal durch einen Schuss Univers Zero-Harmonium wenn nicht aufgelockert, so doch zumindest angedickt wird. Bei einer Passage fragte ich mich: Wie würde jemand, der in keiner Weise ideologisch vorbelastet ist, der keine Meinung zu Progressive Rock im Allgemeinen und Zeuhl im Speziellen hat, auf diese Musik reagieren und sie beschreiben? Dieser eine Moment veranlasste mich, spontan unter dieser Voraussetzung "Jazz" zu denken, nur diese paar Sekunden, denn Jazz ist "Black Oni" nicht. Oder aus anderer Perspektive doch?

Zwei Euro ins Phrasenschwein: Grau ist alle Theorie. Fragen sind gut, Antworten auch. Also beschloss ich ein Experiment und habe seit gestern ein paar unvorbelasteten, sehr verschiedenen Arbeitskollegen "Black Oni" in die Hand gedrückt, mit der Bitte, mir ihre Eindrücke zum Album zu schildern: Wie würdest Du die Musik beschreiben? Womit vergleichen? Gefällt sie Dir? Warum? Ich glaube, Guapo sind dafür gut geeignet: zwar geht es reichlich schräg zur Sache, aber - aus meiner Sicht - dennoch mit gemäßigtem Lärm- und Chaosfaktor. Die Musik ist weit genug von Mainstream-Genres weg, aber nicht vollkommen unverständlich; schließlich hätte ich auch Shub Nigguraths "Testament" oder Henry Cows "Concerts" oder eine abstraktere FreeJazz-Platte (vielleicht Cecil Taylors "Unit Structures") nehmen können.

Die Ergebnisse dieser vollkommen unrepräsentativen und unmethologischen Untersuchung werden natürlich im ProgBlog dokumentiert. Bis alle Antworten eingetroffen sind, wird es aber noch eine Weile dauern. Wenn überhaupt: vielleicht sollte ich schon dankbar sein, wenn die be- und getroffenen Kollegen anschließend noch mit mir sprechen und mir nicht, aus der Ferne schräge Blicke werfend, aus dem Weg gehen.

Kommentare

Na, da bin ich ja mal gespannt, wie die „progtechnisch“ unvorbelasteten Kollegen auf Guapo reagieren. Meine Freundin ließ sich nach dem ihr aufgedrängten Konzertbesuch von Musical Box zur Bemerkung hinreißen, dass sie dies alles an einen Horrorfilm erinnert hat. Müsste mich mal wagen, ihr die „Five Suns“ vorzuspielen, die sich übrigens in meinem Besitz findet. Traue mich aber nicht… ;-) Denke aber mal, dass Guapo eher dazu geeignet sind, Leute zu schockieren. Fraglich, ob sie sich wirklich zu einem Statement hinreißen lassen. Die neue Happy The Man erinnerte meine Kollegin übrigens an die Musik für einen Comic („Mickey Maus!). Ruckzuck war wieder das Radio eingestellt.

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