Das Buch, das eine Website sein sollte
Verpackung und Inhalt sind nicht immer optimal aufeinander abgestimmt. Das amazon.com-Päckchen etwa, das heute bei mir eintrudelte, war ungefähr viermal so groß, wie das schon überdimensionierte Buch darin: das schon kurz erwähnte "Cosmik Debris - The Collected History And Improvisations Of Frank Zappa" von Greg Russo. Nur mit diesem selbst verhält es sich genau andersrum: es hat zu viel Inhalt für die Verpackung als Buch.
Schon ein oberflächliches Überfliegen macht klar: "Cosmic Debris" ist eine übervolle Schatztruhe für Zappa-Fans. Von den 350 Seiten im Nahezu-DIN-A4-Format enthalten 130 Diskographie, Indizes, Sessionographie, Listen von unveröffentlichten Zappa-Projekte, Videos, Vergleich verschiedener Ausgaben der gleichen Alben undundund. Die 220 Seiten zuvor enthalten dutzende Photographien aus allen Lebensabschnitten Zappas sowie jede Menge relevanter Zeitungsausschnitte, Plattencover, Flyer und Plakate und obendrein einen ausführlichen Karriereüberblick, in den immer wieder Kästen mit Hinweisen auf "Conceptional Continuity Clues" (CCCs) eingebaut sind, die die vielfältigen Verbindungen zwischen den verschiedenen Zappa-Oevres im Rahmen seinen Project Objects aufzeigen.
Damit ist das Buch wahnsinnig umfangreich, und ich freue mich jetzt schon darauf, mich darin zu vertiefen und zu verlieren, untermalt mit einem Soundtrack zwischen Freak Out und Civilization Phaze III. Aber "Cosmik Debris" ist auch wahnsinnig unhandlich. Einer der großen Vorteile eines Buches gegenüber elektronischen Aufbereitung ist die Möglichkeit, es auf den Weg zur Arbeit oder auf Reisen mitzunehmen oder im Bett zu schmökern. Aber nicht mit diesem Schinken. Klar, durch die vielen Abbildungen und die hohe Informationsdichte im letzten Drittel war dieses Format nahezu unabdingbar: bei normaler Buchhöhe und -Breite wären es vielleicht nicht 350, sondern 1000 Seiten geworden, und von den Photos nicht viel zu erkennen. Nur fällt so dieser eine entscheidende Vorteil eines Buches weg. Aber auch die Aufbereitung der Indizies in Form von Hyperlinks zu verknüpften Dokumenten würde der Sache dienen.
Abgesehen davon, dass man online keinen relevanten Platzbeschränkungen unterliegt, illustriert der Querverweis-Stückeindex deutlich, warum eine Hypertext-Version des Buches sinnvoll wäre: hier wird zu jedem offiziell veröffentlichten einzelnen Stücken, auf welchen Alben eine Version davon erschienen ist. Damit dies vom Umfang her zu schaffen ist, funktioniert dies mit einem komplizierten Abkürzungsschema, anhand dessen man in der Diskographie erst nachschlagen muss, welche Platte gemeint ist. Ein klarer Fall für sachdienliche Verlinkung: ein Klick statt dem Wühlen durch Seiten voller diskographischer Angaben würde zum gewünschten Eintrag führen.
Trotzdem: auch in dieser Form scheint Russos Werk zur Bibel des ernsthaften Zappa-Fans zu taugen. Und außerdem gibt es schon arf.ru (die übrigens explizit von Russo als Quell insbesondere der CCCs erwähnt wird).
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