Das Beste beider Welten
Vor einiger Zeit jammerte ich noch rum, da sich die Musikindustrie immer wieder neue Formate einfällen läßt, die den Fan zu Neukäufen zwingen möchten und obendrein neue Elektronikanschaffungen erforderlich machen. Und anscheinend hilft Jammern gelegentlich: dieser Tage flatterte mir unerwartet Motörheads 79er Album Overkill als Dualdisc-Version ins Haus. Die Dualdisc-Technik ist eine clevere Erfindung: die eine Seite des Silberlings ist als normale Audio-CD bespielt und enthält das komplette remasterte Album plus einige Bonustracks aus der gleichen Zeit (inklusive des unverwüstlichen Minimalismusklassikers "Louie, Louie", der schon die Mothers Of Invention zu mehr als einer sarkastischen Gegenversion inspirierte), die zweite Seite ist als DVD-Audio ausgelegt, die das Album in einem neuen 5.1 Mix sowie weiteres Bonusmaterial enthält.
OK, ich bin nun wirklich kein großer Freund von Motörheads schwitzigem brachial Hardrock, trotzdem: schon angesichts der ersten Doublebass-Attacken, röhrenden Gitarren und Lemmy-Gesänge sehe und fühle ich mich nicht ohne Nostalgie auf einer inneren Zeitreise zu verrauchten Kellerraumpartys (alternativ: viel zu zugigen Grillplätzen, bei denen am Feuer die Körpervorderseite geröstet, während die Rückseite kältetaub wird), ein Stubbi (für Nicht-Eifelaner: ein Bitburger Pils in einer typischen gedrungenen Flasche) in der Hand und das damals noch nicht so schüttere Haupthaar unauffällig schüttelnd. Vergangenheitstrips könnten schlimmer kommen.
Von der Musik mal abgesehen: Das Dualdisc-Konzept als solches ist überzeugend; verwirrend ist nur, dass die gezwungenermaßen kleine Hinweisbedruckung "CD" bzw. "DVD" am Innenrand der Scheibe auf der jeweils gegenüberliegenden, also nicht der dermaßen bezeichneten Seite ist, allerdings analog zum Label einer normalen CD. Der Klang der DVD-Audio-Version des Albums ist sehr fett, ergänzend zur Musik gibt es eine Bildergalerie mit jeder Menge beängstigender Photos von Herrn Kilmister, Liner Notes und sogar eine optische und akustische Hilfestellung zum optimalen 5.1-Surround-Setup. Den Audio-CD-Teil kann man wie gewohnt im normalen CD-Player abspielen oder mittels CDex oder Audiograbber in ein komprimiertes Format der Wahl überführen und am Rechner (Arbeitskollegen quälen) oder über den mobilen mp3-Player (U-Bahn-Mitreisende quälen) genießen. So soll's sein: kein technischer Hindernislauf, sondern Pluralität und Wahlfreiheit.
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Kommentare
Motorhead rockt nach Jahren immer noch das Haus. Dank Lemmy, der nebenbei massenhaft Songs für Ozzy geschrieben hat.
Ach Udo,
nun bin ich schon enttäuscht.
Ich hätte ja meinen Arsch verwettet, dass du die Musik so richtig in den Kakao ziehst. Statt dessen schwelgst du in Kindheitserinnerungen. Nicht zu fassen.
Gruß
Thorsten, der bisher nur die Original CD hat.
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