30.01.2007

Clerks II

Um eine Fortsetzung eines Kultklassikers wie "Clerks" zu drehen, bedarf es einer Portion Mut und Selbstvertrauen. Kevin Smith hatte beides, und gottseidank auch hinreichende Kreativität, um "Clerks II" nicht nur nicht zu einem Abklatsch des ersten Films werden zu lassen, sondern auch zu einem Film, der für sich gesehen bestehen kann. Zwar halte ich das Original nach wie vor für den witzigeren und originelleren Film, aber dennoch kann man im Vergleich dazu, aber auch zu Smiths etwas späteren Filmen wie "Chasing Amy" erkennen, dass Smith als Filmemacher und Autor gereift ist.

Zu Beginn des Films hängen die beiden Anti-Helden Dante und Randal zehn Jahr nach den Vorkommnissen aus "Clerks" immer noch als Ladenhüter der "Quick Stop Groceries" und von "RST Video" fest - bis der "Quick Stop" abbrennt. Daraus ergibt sich aber kein Karrieresprung: Beide heuern in einem bizarren Fast-Food-Laden an. Allerdings verlobt sich Dante schließlich und plant, mit seiner Bald-Ehefrau nach Florida zu ziehen, was Freund Randal natürlich nicht glücklich stimmt. Aber natürlich kommt es am Ende anders, und genauso natürlich gibt es vorher massig Gelegenheit, Randal, Dante, ihren Kollegen, Jay, Silent Bob und den Kunden bei den unvermeidlichen, politisch völlig unkorrekten Gesprächen über "Star Wars" versus "Der Herr der Ringe" und Sex zu belauschen oder Randals bizarres Abschiedsgeschenk für Dante zu bewundern.

Während "Clerks" eher eine Art (allerdings sehr unterhaltsame und auch originelle) Nummernrevue war, war z.B. "Chasing Amy" bereits der Versuch, den schnoddrigen Ton von "Clerks" mit melodramatischen Momenten zu verbinden. Nur dass diese ernsten Stellen meist zu überzogen und damit unglaubwürdig daher kamen. In "Clerks II" hingegen stimmt die Balance, und er wird somit bei aller krassen Comedy zwischendrin ein erstaunlich anrührender Film. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass "Clerks II" wohl auch echte Erlebnisse Smiths verarbeitet. Dass Randal von Dante "verlassen" wird, hat seine Parallele darin, dass Smiths langjähriger Freund, "View Askew"-Partner und Produzent Scott Mosier nach dem gemeinsamen Mainstream-Flop "Jersey Girl" sich vom Produzentendasein verabschieden wollte und auf Weltreise ging. Dantes Verlobung mit einer Frau, die eigentlich überhaupt nicht zu ihm passt ("She doesn't get you"), spiegelt Smiths Erfahrungen mit der "Jersey Girl"-Produktion im Rahmen der Mainstream-Hollywood-Welt wieder.

Neben dem lohnenswerten Film selbst, muss man im Fall von "Clerks II" auch noch auf die üppige DVD-Ausstattung mit tonnenweise unterhaltsamen und informativen Extras (jedenfalls in der US-Version) hinweisen (genau das richtige, wenn man - wie ich - letzte Woche vom Schnee-Chaos festgesetzt wurde): gleich drei Audio-Kommentare zum Film, 35 Minuten "deleted scenes", 40 Minuten Pannen-Aufnahmen, eine "Featurette" namens "A Closer Look at Interspecies Erotica" (nicht fragen, gucken), 10 ausgewählte Kurzdokus aus der "Train wrecks"-Online-Video-Reihe sowie eine 90minütige Dokumentation rund um die Entstehung des Films von der Idee bis hin zur Vermarktung. Vorbildlich.

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