21.09.2005

Chaos und Schöpfung im Hinterhof

Warum immer in die Ferne schweifen? Die Suche nach beatleskem Pop bei Paul McCartney zu beginnen, klingt schließlich nicht abwegig. Ich muss aber gestehen, dass ich die Karriere Sir Pauls nicht wirklich intensiv verfolgt habe. Das letzte Album, das ich wirklich kenne, ist "Flowers In The Dirt". Zu wenig Perlen hatten sich zwischen zu viel Schleim und Schund in seinen Solo-Alben verloren - von erfreulichen Ausnahmen wie "Band of the Run" abgesehen. Umso freudiger überrascht war ich, als mir McCartneys aktuelles Soloalbum "Chaos and Creation in the Backyard" in die Finger fiel und ich festellen musste: das ist ziemlich gut.

Die Platte ist recht ruhig geraten, melancholisch, aber nicht depressiv, ebenfalls nicht süßlich und platt. Zwar hört mein McCartneys Stimme sein fortgeschrittenes Alter - ähnlich wie bei Brian Wilson - an, aber für diese ruhigen Stücke reichen Umfang, Kraft und Ausdruck mehr als aus. Fast alle "normalen" Instrumente bedient der Meister selbst, ergänzt durch gelegentliche Streicher oder Bläser, die unaufdringlich und geschmackvoll arrangiert sind. Das Ganze klingt charmant-rauh und dicht-poliert, ein reizvoller Widerspruch. Dies dürfte zu großen Teilen Produzent Nigel Godrich zu verdanken sein, der ehedem schon Radiohead betreute. Schön.

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