31.05.2007

Burgas & Sozopol

Obschon zu Burgas der Flughafen gehört, den viele Urlauber in Richtung Sonnenstrand und Co. ansteuern, ist die Stadt selbst recht entspannt und untouristisch geblieben. Das mag daran liegen, dass es in ihr kaum echte Sehenswürdigkeiten gibt. Wer aber dem Touristentrubel für ein paar Stunden entfliehen möchte und einfach nur eine normale, fast südländisch geprägte Stadt zum Bummeln und Kaffeetrinken sucht, kann Burgas ruhig ansteuern. Zwar gibt es einen Strand mit zugehöriger Promenade, diese hat sich aber spröden realsozialistischen Charme bewahrt.

Wenn man von Burgas aus ein Stück nach Süden weiter fährt...

Moment. Ein paar Worte zum Thema "Autofahren in Bulgarien" sind an dieser Stelle angebracht.

Zuallererst sollte man als Deutscher den von hier gewohnten Beschilderungswahnsinn komplett vergessen. Auf der vielbefahrenen Küstenstraße wird schon mal (sprich: während wir da waren) etliche Kilometer lang die Fahrbahndecke renoviert, ohne dass dies ausgeschildert wäre. Natürlich wird jeweils nur ein kurzer Abschnitt renoviert, aber auf mehreren Kilometern ist die alte obere Teerschicht bereits abgetragen. D.h. ohne jegliche Vorwarnung in Form von Hinweisschildern kann es schon mal vorkommen, dass direkt hinter einer Kuppe oder in einer Kurve ein mehrere Meter breites und langes und etliche Zentimeter tiefes Loch lauert. Und wenn kein Loch lauert, dann eben doch eine Baukolonne, die aber ebenfalls einfach plötzlich erreicht wird und auf einer Fahrbahnseite vorwarnungslos rumsteht. Geregelt wird in diesem Fall der Verkehr nicht. Die Fahrer auf der blockierten und der freien Straßenseite müssen sich halt irgendwie einig werden, wer wann fährt.

Außerdem sollte man sich von dem Gedanken verabschieden, dass vollbeladene Tanklastwagen an unübsichtlichen Stellen mit expliziten Überholverbotsschildern noch langsamere Fahrzeuge (und damit meine ich nicht die allgegenwärtigen Eselskarren, die die Fahrbahn kaum versperren, sondern z.B. 30-40 Jahre alte LKWs, die mit komplett ungesicherter Baustoffladung - denn es wird überall gebaut - vor sich hin kriechen) nicht überholen. Sie tun's. Oh ja, sie tun's. Ich rede hier nicht von einem vereinzelten Vorfall, sondern regelmäßigen Vorkommnissen.

Also: Wenn man von Burgas aus ein Stück nach Süden weiter fährt, kommt man nach Sozopol. Anscheinend ist dies im Hochsommer in der Hotelgegend in den Außenbezirken der Stadt auch eine Partyhochburg, Mitte Mai war davon aber nicht viel zu erkennen. Die Altstadt von Sozopol liegt ähnlich wie Nessebar auf einer Halbinsel und bietet ebenfalls wie dieses jede Menge pittoresker Gassen im traditionellen Baustil, ist aber nicht gar so durch und durch mit Ladengeschäften und Bars verschandelt wie Nessebar, sondern hat wesentlich mehr ruhige Flecken, dafür allerdings nicht so viele altertümliche Kirchen und Ruinen. Ist aber auf jeden Fall auch einen Besuch wert.

Kommentare

Ja, das Autofahren in Bulgarien ist ein Thema für sich. Du solltest bedenken, dass die Schwarzmeerküste für bulgarische Verhältnisse eine infrastrukturell gut erschlossene Region ist. In der Provinz sieht es da anders aus. Der Einheimische, weiß auf dem flachen Land, wo sich die Schlaglöcher befinden und benutzt da auch ruhig mal die linke Straßenseite, um wieder einzuscheren, wenn jemand entgegen kommt. In vielen Orten der Rhodopen fehlen die gusseisernen Abdeckungen diverser Schächte. Wer zu weit rechts fährt, hat wohl Pech gehabt. Als Fußgänger muss man halt auch aufpassen. Die Netze gegen Steinschlag sind irgendwann mal entfernt worden, so dass man immer mal wieder mit etwas Steinschlag rechnen muss. Es wird berichtet, dass die Netze gestohlen wurden, da man anderweitige Verwendung für sie hatte. Danach ist wohl nichts mehr passiert. Im Wintersportort Pamporovo werden seit zwei Jahren aber Häuser mit Luxusappartements hochgezogen, ohne dass jemand wenigstens an die Normalisierung der Infrastruktur denkt. Bin mal gespannt, wohin die EU-Gelder jetzt fließen.

An die Verkehrsregeln hält sich sowieso kaum jemand mehr. Es wird dort überholt, wo man es für nötig hält. Heikle Situationen werden einfach so in Kauf genommen. Man kann doch auch gut vor Kurven überholen, um dann beim eventuellen Gegenverkehr wieder einzuscheren. Da wird die gewonnene Freiheit falsch interpretiert. Gut, man muss sagen, dass Autobahnen ja fast völlig fehlen. Irgendwann wollen die Leute mal an der LKW-Kolonne vorbei. Da fühlt man sich auf der deutschen Autobahn sehr sicher.

Die Promenade in Burgas hat übrigens wirklich ihren Charme. Dort habe ich den einzigen CD-Laden entdeckt, der die Compilation der bulg. Band FSB hatte, worauf Coverversioen von PFM zu finden sind. Nett, aber nicht überwältigend.

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