Bride of the Monster
Weiter geht's in Sachen Edward D. Wood, Jr.: Langsam kommen wir mit "Bride of the Monster" in "Plan 9"-Territorium. Der verstoßene Wissenschaftler im Exil Dr. Vornoff will mit seinen Experimenten in einem unheimlichen Haus im Sumpf mit Hilfe der Kraft des Atoms eine Übermenschenrasse schaffen. Versuchkaninchen besorgt ihm sein stummer und - wenn auch leicht übergewichtiger - hünenhafter Diener Lobo. Als immer mehr Menschen verschwinden, ruft dies einen alten Kollegen, eine schöne Reporterin und die Polizei auf den Plan. Was natürlich für Vornoff kein gutes Ende nimmt, da - Überraschung - seine eigene Kreatur sich gegen ihn wendet. Trotzdem gab's ein paar Jahre später mit "Night of the Ghouls" eine Art Fortsetzung.
Anders als bei "Glen or Glenda" und "Jail Bait" bewegt sich Ed Wood mit "Bride of the Monster" auf SciFi-Terrain, und hier macht sich das fehlende Budget zum ersten Mal schmerzhaft bemerkbar. Die Rückwand von Vornoffs Labor ist offensichtlich nur bemalte Pappe, die Eingangstür zu seinem Haus sieht von innen komplett anders aus als von außen, die Nachtszenen sind arg düster, die Beleuchtung innen oft zu auffällig. Der Polizei-Kommissar hat im Revier einen Vogel auf seiner Schulter sitzen, und das Oktopus-Monster im See nebenan ist allzu deutlich unbelebt und aus Gummi (angeblich wurde das Requisit von Woods Crew illegal benutzt, und man vergaß, den zugehörigen Motor zum Bewegen der Tentakel ebenfalls zu "borgen").
Natürlich darf auch Woods Angora-Fetisch nicht fehlen: Lobo liebkost die Angora-Mütze der gefangenen Reporterin, kurz bevor er sie befreit, da sie zu einem von Vornoffs Versuchsobjekten werden soll.
Aber ehrlich gesagt: Diese ganzen Ungereimtheiten und Billigkeiten fallen nur punktuell ins Auge. Auch "Bride of the Monster" ist im Großen und Ganzen nicht wesentlich schlechter als andere Mad-Scientist-Werke aus jener Zeit. Im Gegenteil: Andere 50er-B- und C-Movies sind quälend zäh und langweilig. Das ist "Bride of the Monster" nicht. Und so sehr Bela Lugosi zu einer Karikatur seiner selbst verkommt: Seine bizarren Grimassen, sein Over-Acting und seine immer noch grazilen, unverkennbaren Bewegungen verleihen dem Film einen Reiz, den viele andere zeittypische Produkte mit ihren Holzschnitt-Darstellern nicht aufweisen können.
...sollte ursprünglich "Bride of the Atom" heißen.
Die vorgeschriebene Handhaltung bei Hypnose.
Das obligatorische Labor des verrückten Wissenschaftlers mit aufgemalten Steinen an der Pappwand.
Der mächtige Atom-Strahl.
Da freut er sich.
In den Armen des leblosen Gummi-Monsters.
Lobo streichelt Angora-Kappe.
Lobo im Kampf mit einem Double in Plateau-Schuhen.
Das passiert mit atomgeladenen Genies, die vom Blitz getroffen werden, während sie sich in den Armen des eigenen Gummimonsters winden.
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Kommentare
Vielen Dank für die Einblicke, Udo! Das sieht *exakt* nach dem aus, was Dawn und ich an klassischer Horror-Unterhaltung lieben - und steht jetzt schon auf dem Einkaufszettel. :-}
Habe jetzt am Wochenende „Plan 9“ gesehen und fand ihn gerade als billiges C-Movie sehr unterhaltsam. Ed Wood hat versucht, Elemente des klassischen Horrorfilms der 30er Jahre und der Ufo-Hysterie der Nachkriegsamerikas miteinander zu verknüpfen. Trotz aller Stümperei besitzt selbst dieser angeblich schlechteste Film aller Zeiten sehr viele gelungene atmosphärische Elemente. Auch wenn dies recht trashig umgesetzt wurde und etliche Ungereimtheiten besitzt, konnten bei mir dieser Film bei Weitem nicht die Lachkrämpfe hervorrufen, wie allgemein zu lesen ist. Man schmunzelt zwar, wenn man die „üppige“ Ausstattung des Flugzeugs und vor allem des Raumschiffes sieht, was aber dem Gelingen des Filmes als „Edelschund“ seiner Zeit keinen Abbruch tut. Die dramatische Filmmusik fand ich sehr passend. Mit einem winzigen Budget hat der gute Ed Wood ein passables Filmchen gedreht. Man muss erst mal darauf kommen, eine Art von Keller als Ufo auszugeben und ein paar elektrische Apparate auf einen Holztisch zu stellen und dies sozusagen als Cockpit auszugeben. ;-) Die düsteren Zombieszenen finde ich richtig gelungen. Gut an Jack Arnold reicht Ed Wood nicht heran.
Die Regisseure der dritten Riege von Hollywood hatten schon lustige Einfälle. Denke da an einen gewissen William Castle, der ein Gruselfilmchen damit bewarb, dass er die Kinobesucher die Möglichkeit bat, sich vor dem Ansehen des Filmes gegen einen Herzinfarkt versichern zu lassen. Diese Jungs sind wohl von der Hollywood-Prominenz nicht mal mit dem Arsch angeschaut worden. Sind für mich irgendwie winzig kleine Helden. :-)
Nachdem Udo nicht nur mich sondern auch Dawn neugierig auf die Ed-Wood-Box gemacht hatte (s. auch: seine Rezension im Progblog), konnten wir dem Wahnsinnsangebot (3 Pfund) der englischen Amazon-Seite nicht widerstehen und griffen zu. Das hat sich gelohnt!
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