Botched
Ein seltsamer, in gutem Sinne, denn unterhaltsamer kleiner Film. "Botched" war zwar beim diesjährigen Fantasy Filmfest auf meiner persönlichen Shortlist, lief aber zu einem für mich ungünstigen Termin, so dass ich ihn erst jetzt in Konservenform genießen konnte. Eigentlich fängt "Botched" nicht sonderlich vielversprechend an: Der Einbrecher Ritchie, gespielt von Stephen Dorff, versaut einen Juwelendiebstahl und wird von seinem Auftraggeber deshalb dazu verdonnert, für ihn ein wertvolles Kreuz in Russland zu stehlen. Aber auch diese Aktion geht schief und Ritchie sitzt schließlich mit einer Handvoll Geiseln und seinen beiden russischen Partner in einem leeren Hochhaus-Stockwerk fest.
Klingt - und ist - bis hierher nur eine durchschnittliche, wenig interessante Coup-geht-schief-Gangster-Geschichte. Aber ab diesem Zeitpunkt wird "Botched" fortlaufend immer seltsamer und entwickelt sich nach und nach zu einer bizarren, absurden 10-kleine-Negerlein-Geschichte mit Splatter-Anteil. Denn es stellt sich heraus, dass in diesem Stockwerk die Nachfahren Iwans des Schrecklichen, ein durchgeknalltes Zwillingspaar, Menschen auf phantasievollste Weise abmurksen und für rituelle Zwecke ausweiden - und dass Ritchie und Co. ausgerechnet dort mit dem Fahrstuhl stecken blieben, war kein Zufall.
Klingt bescheuert, ist bescheuert, funktioniert aber. Zum einen liegt dies daran, dass der Film keinerlei Hehl aus a) seinem geringen Budget macht, aus seinen Mitteln aber alles herausholt, b) zwar seltsam und überdreht, aber nie zu hektisch-albern wird, sondern trotz gelegentlicher Slapstick-Einlagen und mehr als karikaturenhaften Figuren großteils trocken, fast nüchtern sein Programm abspult, dies umso effektiver, da zwischendrin plötzlich komplett alberne Szenen auftauchen - und genauso schnell wieder verschwinden. Siehe Barbaren-Iwan, der zu russischer Volksmusik und im Schein von Disco-Licht auf sein in einer Falle feststeckendes Opfer schwertschwingend zutanzt. Wirklich. Großen Anteil daran hat auch Stephen Dorff, der Ritchie ohne ein einziges Mal in die Kamera zu zwinkern bei allem ihn umgebenden Irrsinn komplett ernsthaft und ernst spielt. Komischer Film, im doppelten Sinne.
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