20.03.2005

"Bluthochzeit"-Testscreening

Bei der Anmeldung zum "Siegfried"-Testscreening konnte man angeben, ob man in Zukunft bei weiteren Testscreenings benachrichtigt werden würde. Ja, würde ich. Und in der Tat: letzte Woche fand sich in meiner Inbox eine Einladung zu einem weiteren Testscreening, diesmal sonntagmittags im Neuen Gabriel. Ansonsten gab es keinerlei weitere Informationen zum zu erwartenden Film, aber wie bei der Sneak Preview gehört die Spannung und das Unerwartete wohl dazu.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren dieses mal wesentlich strenger als beim Siegfried-Screening, obwohl deutlich weniger Teilnehmer erwartet wurden: der große Saal des neuen Gabriel fasst nur ca. 200 Zuschauer. Am Eingang mussten alle elektronischen Geräte bei einer Taschenkontrolle abgegeben werden. Kostenlose Snacks und Getränke gab es diesmal auch keine; wahrscheinlich hat der schließlich gezeigte Film einfach ein zu kleines Budget... Auch der nach der Vorführung verteilte Fragebogen war nur halb so lang, und eine Gesprächsrunde nach dem Film gab es meines Wissens auch nicht. Das mag aber auch daran liegen, dass "Bluthochzeit" - so hieß der gezeigte Film - schon in einem Monat in die Kinos kommt und fertig gestellt ist, so dass aufgrund der Publikumsreaktionen wohl keine Änderungen mehr gemacht werden. Jedenfalls schien es sich bei der vorgeführten Version um eine fertige Kinokopie zu handeln: es gab keine einführende Bemerkung zu unfertigen Elementen, die Titel, Musik und Ton wirkten endgültig und die Bildqualität war im Gegensatz zum pixeligen Siegfried astrein.

Eine der Fragen auf dem Fragebogen war: Als was würden Sie den Film beschreiben? Drama? Komödie? Schwarze Komödie? Das war die vielleicht am schwersten zu beantwortende Frage. "Bluthochzeit" ist eine Verfilmung eines Comics von Jean van Hamme, nicht des gleichnamig Stücks von Federico Garcia Lorca. Armin Rohde spielt den mehr oder weniger durchgeknallten, schießwütigen Proll-Industriellen Hermann Walzer, der anläßlich der Hochzeitsfeier seines Sohnes wegen eines schlechten Krabbencocktails mit dem Landhotel-Besitzer Franz Berger (Uwe Ochsenknecht) aneinander gerät, der die Hochzeitsgesellschaft bekochen soll. Die Situation eskaliert, als Walzer ohne die Zeche bezahlen zu wollen die Gesellschaft die Zelte abbrechen läßt, Berger Braut und Schwiegermutter als Geiseln nimmt und Walzer das Landhotel zu belagern beginnt. Anscheinend hat auf dem Land jeder ein oder mehrere Gewehre im Schrank, zur Not auch ein paar Handgranaten, jedenfalls endet die Hochzeit tatsächlich blutig. Das ganze wird stellenweise mit lakonischem Humor erzählt, der Film verzettelt sich aber trotzdem etwas mit zu vielen verschiedenen Figuren (24 an der Zahl, obwohl der Film im wesentlichen statisch an nur zwei Orten spielt, dem Landhotel und einem nahegelegenen Haus, in dem Walzer sein "Hauptquartier" einrichtet), die bei weitem nicht alle für die Handlung wirklich nötig wären. Daher ergibt sich nie ein so erbarmungsloses Tempo, dass die hirnrissigen Handlungen der Hauptfiguren aus der bloßen Dynamik der Situation unvermeidlich scheinen.

Der größte Fehler des Films liegt aber in seinem halbherzigen Ende: die Geschichte geht zwar nicht gut, aber zumindest glimpflich aus. Das hätte nicht sein dürfen: die Dummheit der Charaktere, ihre vollkommene Unfähigkeit zur Kommunikation (nicht nur zwischen den Fraktionen, sondern auch innerhalb) hätte erbarmungslos bestraft gehört. Weniger als ein totales Blutbad am Ende wirkt wie filmische Feigheit und ein Zugeständnis an vermeintliche Massentauglichkeit. Übrigens scheint die Comic-Vorlage tatsächlich blutiger und tragischer zu enden. Trotzdem war's ein einigermaßen kurzweiliger und jedenfalls nicht langweiliger Kinonachmittag und deutlich besser als das "Siegfried"-Desaster allemal.

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