10.12.2006

Besser gut gefleddert

Langsam werde ich wirklich zum Reaktionär. Muss das Alter sein. Es ist nun einmal so: In letzter Zeit gab es sehr, sehr wenig neue Musik, die mich so begeistern konnte, wie es einige meiner alten Helden immer noch tun. Bin ich so eingefahren in meinen musikalischen Wegen? Oder darf man nicht nur aus Nostalgie, sondern mit Recht die guten alten Zeiten für einfach besser halten? Ich habe natürlich den heimlichen Verdacht, dass ich mich mit jeder neuen Musik wegen der Reiz-Überflutung durch das gestiegene Angebot und meinen gleichermaßen gestiegenen Konsum, schlicht nicht mehr ausreichend beschäftige, um ihre Reize wirklich zu verinnerlichen.

Daher wirkt es umso intensiver, wenn aus welchem Anlaß auch immer die alten Helden und ihre Musik wieder in Radarreichweite geraten. Das Beatles-Liebes-Gefledder war ein solcher, genauso wie eben ein aktuelles Magma-Bootleg mit einer Aufnahme vom November 2006, das erste, das ich kenne, das die komplette Rekonstruktion von "Emehnteht-Re" enthält. Großes Tennis.

Und das, obwohl die einzelnen Zutaten des "Emehnteht-Re"-Epos großteils bekannt und es sich daher eigentlich nicht um neue Musik handelt (was mir reichlich wurscht ist, siehe oben): Die ruhige Einleitung ist schon unter dem Sammelnamen bekannt gewesen, danach geht's im wesentlichen in eine ausgedehnte Version von "Hhai", anschließend in eine ebenfalls erweiterte Version von "Zombies". Letzteres war schon auf "Üdü Wüdü" in der Studioversion viel zu kurz, und sorgt im Zusammenspiel mit "Hhai" hier dafür, dass "Emehnteht-Re" vielleicht kompositorisch zusammen mit "Zess" das am wenigsten reizvolle der großen Magma-Epen ist, aber dafür eine einzige große Ekstase-Maschine darstellt. Kann's kaum erwarten, das live zu hören.

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