Barry Miles - Zappa: A Biography
Endlich ist Barry Miles' ausführliche Zappa-Biographie auch als Taschenbuch erschienen (im englischen Original und deutlich billiger als die exklusiv bei Zweitausendeins erhältliche deutsche Übersetzung im festen Einband). Das Warten darauf hat sich allerdings nicht nur wegen des geringeren Anschaffungspreises gelohnt. In der Erstauflage waren einige faktische und Tipp-Fehler enthalten, die anscheinend inzwischen korrigiert wurden. Etwa hatte der Zappa-Bassist Arthur Barrow Berichtigungen bezüglich einiger Aussagen zu den Neuaufnahmen von Bass und Schlagzeug der überarbeiteten CD-Version von "We're Only In It For The Money" anzubringen, die zu einer Umformulierung der entsprechenden Passage führten.
Zwar bin ich erst zu einem Drittel durch das Buch durch, kann aber schon sagen: die Anschaffung hat sich bereits gelohnt. Die Kapitel, die sich mit der Zeit vor dem ersten "Mothers of Invention"-Album beschäftigen, gehören zum Ausführlichsten, was ich zu dem Thema bisher gelesen habe und zeigen - manchmal explizit, manchmal nicht - schön die große Anzahl an Einflüssen, Themen und Motiven auf, die Zappa aus diesem Lebensabschnitt seine ganze Karriere lang beschäftigten, ob bewusst oder unbewusst. Allerdings wird die genealogische Aufarbeitung dabei nie so ausufernd, dass es schon wieder dröge wird - und wie ich es bei anderen Musikerbiographien schon durchlitten habe. Allerdings ist Miles' Buch genau das, was der Untertitel verkündet: eine Biographie des Menschen Zappa. Eine tiefergehende musikalische oder textliche Analyse seiner Werke braucht man nicht zu erwarten bzw. bekommt man nur so weit vor, wie es bei der Nachzeichnung von Zappas Leben natürlich unvermeidlich ist.
Die Tatsache der Überarbeitung nach Leserfeedback teilt sich Miles' Werk mit einer weiteren Zappa-Veröffentlichung, Greg Russos "Cosmik Debris. The collected history and improvisations of Frank Zappa (The Son Of Revised)", die inzwischen in schon in der zweiten Neuauflage korrigiert und erweitert vorliegt, für die unter anderem einige der Stammgurus aus der Newsgroup alt.fan.frank-zappa zu Rate gezogen wurden.
Diese steht demnächst auf dem heimischen Leseplan, aber erst nach Graham Bennetts Soft Machine-Buch "Out-Bloody-Rageous", das zusammen mit Paul Stumps "Gentle Giant. Acquiring the taste" die anscheinende Tendenz verstärkt, dass jetzt auch die "kleineren" (d.h. aus - in Sachen Popularität - der zweiten Reihe) Bands aus dem Prog-Umfeld ins Blickfeld der Autoren geraten. Hoffentlich auch in das der Leser.
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