31.08.2005

BajaProg: Eclipsed

Zeichengenaues Schreiben erfordert Konzentration, im doppelten Sinne. 2500 Anschläge - die Vorgabe des Eclipsed - sind etwas mehr als ein durchschnittlicher Artikel in diesem Blog. Hier also die für das Eclipsed Juli/August 2005 erstellte, stark kondensierte Fassung meines BajaProg 2005-Resümees (2496 Zeichen):

Sonne, Salma Hayek, Tequila, Tijuana: Mexiko im Frühjahr klingt nach einer lohnenswerten Reise. Und wenn sich diese mit vier Tagen guter Musik verbinden läßt, umso besser. Insofern ist das jährlich - 2005 zum neunten Mal - ausgerichtete BajaProg-Festival in Mexicali verlockend.

Leider erfüllt Mexicali die obigen Fantasien - bis auf den Tequila - nicht. Die stark industriell geprägte Grenzstadt lädt kaum zum Urlauben ein. Deshalb geben sich die Organisatoren aus dem Umfeld der lokalen Progband Cast Mühe, neben den 20 Konzerten auf zwei Bühnen den großteils aus Mexiko und den USA, aber auch aus Südamerika, Japan und Europa angereisten Fans ein Rahmenprogramm zu bieten: Willkommens- und Abschiedsparties mit Buffet und freiem Bier, sowie dieses Jahr eine Drumclinic mit Carl Palmer, der mit seiner aktuellen jungen Band als einer der Festival-Headliner vertreten war.

Den "Prog"-Teil des Festivalnamens legen die Organisatoren großzügig aus: modern elektronisch Angehauchtes wie Niño Astronautes (Mexiko) oder Van (Polen) trifft auf symphonischen GothMetal (Ashtar, Brasilien) trifft auf Gitarrenheroensound à la Vai/Satriani (Steve Adams, USA) trifft auf den SpaceRock der Ozric Tentacles trifft auf klassischen RetroProg (Il Castello di Atlante, Italien) trifft auf psychedelischen Jamrock (Trigon, Deutschland) trifft auf symphonischen Jazzrock (Fantasmagoria aus Japan, Eclat aus Frankreich, Arti & Mestieri aus Italien) trifft auf armseliges Fußgängerzonengeschrammel (Flash - ohne Peter Banks sowieso Etikettenschwindel - im Rumpfduo, England).

Das erste Highlight des diesjährigen Festivals boten Taal aus Frankreich, die mit ihrer mitreißenden Mischung aus verzwicktem Prog, klassischen Elementen und Metalgitarre das Publikum begeisterten. Sie präsentierten sich wesentlich kompakter und mit deutlich besserem Sound als bei ihrem letztjährigen Gastspiel in Deutschland im Rahmen des Würzburger Freakshow-Festivals. Getoppt wurden sie gleich anschliessend allerdings von Caravan, die ihren zeitlosen Canterbury-Sound locker aber hochprofessionell zelebrierten und auch den Titel "bestes Löffelsolo des Festivals" einheimsen konnten. Die größte Überraschung waren allerdings die hierzulande sträflich unbekannten Chilenen Tryo, ein - man glaubt es kaum - Trio, die nach einem vielleicht ein wenig zu langen, sehr ruhigen akustischen Set mit ihrem komplexen, rockenden Sound irgendwo zwischen King Crimson und Rush unbändige Virtuosität, Spielfreude und Energie verströmten.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien