BajaBuch, 5.2: Rückschau trotz Jetlag
Da bin ich kaum ein paar Stunden zuhause, schon beginnen viele Eindrücke aus Mexiko zu verschwimmen und zu verblassen. Der Jetlag hält sich bis jetzt zwar in Grenzen, aber ich habe ja auch erstmal 10 Stunden Schlaf hinter mir, was etwa doppelt so viel ist, wie ich an einem beliebigen Tag in Mexicali bekommen habe. Deshalb schnell weiter im Programm:
Die zweite Band am Freitag waren Fantasmagoria aus Japan, die nette, fett-verspielte Fusion boten, die nur gelegentlich unter den typischen, üblen Nintendo-Keyboard-Klangfarben litt, dafür gelegentlich funky groovte und ebenso gelegentlich schön schräg war. Der Sound der Gruppe ist geprägt vom Spiel von Geigerin Miki, die gelegentlich auch ein paar folkige Fiedelakzente setzte. Bis dato war dies der sicherlich beste Auftritt auf der Hotelbühne. Wer Japan-Bands wie KBB oder Pochakaite Malko mag, sollte Fantasmagoria auch einmal antesten, allerdings gibt es im Moment von ihnen wohl nur eine Demo-CD mit obendrein sehr kurzer Laufzeit.
Abends folgte dann leider ein ziemlicher Absturz. TriPod aus den USA waren ein einziges Gimmick, leider ein Gimmick ohne allzu viel musikalische Substanz, oder besser: die vorhandene Substanz wurde von den vielen Showeffekten überstrahlt. Das fing damit an, dass die Band als Trio Bass-Drums-Saxophon unterwegs ist, ohne dass ihre Musik wirklich nach dieser Besetzung verlangen würde, sondern zwischendrin eher nach Powerrock ohne Gitarre klang, der sich verzweifelt ein paar jazzige Anstriche zu geben versuchte. Dazu kam das monströse Schlagzeugset, das durch die eher straighte und langweilige Spielweise des Schlagzeugers einfach nicht gerechtfertigt war, sowie dass der Saxophonist wild über die Bühne tigerte, worunter hörbar seine Soloversuche litten.
Auf die folgenden Ozric Tentacles war ich eigentlich gespannt. Ich bin zwar kein grosser Spacerock-Freund, live lasse ich mir das aber gerne gefallen. Nur dass das Set der Ozrics von vielen, vielen Sound- und Technik-Problemen geplagt war. Wie ich später erfuhr, hatte die Band darauf bestanden, ihre komplette Lightshow mitzubringen und aufzubauen, nur dass die Stromversorgung des Teatro nicht für PA und grosse Lichtshow geeignet war... Angesichts wohl schwerwiegender Probleme mit der Monitoranlage wirkte die Band uninspiriert und unsauber, und der Saalsound war übel. Vom Flötisten etwa war kaum etwas zu hören, was allerdings nicht unbedingt viel heissen mag: die meiste Zeit tigerte er sowieso als wildgewordener Lilalaunebär über die Bühne. Wenig war auch von der Keyboarderin zu hören, die sich darauf beschränkte, hier und da ein Knöpfchen oder mal eine Taste für ein paar Sekunden zu drücken. Die interessanteren Keyboard-Sequenzen kamen allesamt von CDs, die der Mischpultmann einlegte.
Zu Carl Palmers Auftritt kann ich nichts sagen: müde und überhaupt vom Ozrics-Desaster mitgenommen, verliessen wir das Teatro noch vor seinem Auftritt in Richtung Hotelbar, wo es allerdings auch nicht arg spät wurde, da am nächsten Tag schliesslich unser eigenes Konzert wartete. Nur eines kann ich über Carl Palmer sagen: der Mann sieht für sein Alter fantastisch und vor allem sehr jugendlich aus. Davon konnten wir uns schon am Vorabend überzeugen, da er im Hotel eincheckte, während wir noch in der Lobby herumlungerten. Ähnliches gilt im Übrigen auch für Furio Chirico von Arti & Mestieri, der ebenfalls wie ein junger Gott wirkte, obwohl er schon seit mehr als 30 Jahren professionell Musik macht. Tja, Schlagzeuger müsste man sein.
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