Bässer wär' das
Synchronizität, ein pompöses Wort für ein ansich wenig bemerkenswertes: gleichzeitige Geschehnisse. Ständig passiert etwas zur gleichen Zeit. Und weil meist das eine mit dem anderen nichts zu tun hat (besser: keine leicht erkennbare Verbindung vorhanden zu sein scheint), denkt außer Verschwörungstheoretikern in der Regel niemand weiter darüber nach. Nur wenn sich unter die massenweise nicht weiter vergleichbaren gleichzeitigen Ereignisse eine Ähnlichkeit mischt, merken wir auf.
So auch ich, als die [progrock-dt]-Umfrage zum Thema "diejenigen großen Prog-Bands, mit denen Du nichts anfangen kannst" genau zu der Zeit eingerichtet wurde, als ich gerade in einem erneuten Anlauf, Fans von "Van der Graaf Generator" zu verstehen, mir "Godbluff" mal wieder anhörte. Angeregt hatte mich dazu die Fernsehaustrahlung des Auftritts der reformierten Van der Graafs bei den Leverkusener Jazztagen, in die ich mehr aus Versehen spät abends reinzappte und die mich wieder mal kopfschüttelnd zurücklies.
Qualifizieren wir meine Ratlosigkeit ein wenig:
Punkt 1: Peter Hammill nervt. Die jammerige, theatralische, bedeutungsschwangere Gequäke ist nur selten erträglich. Aber ich denke, darüber könnte ich hinweg hören, wenn nicht:
Punkt 2: Van der Graaf Generator fehlt ein vernüftiger Basser. Dieses Manko kam in der Live-Ausstrahlung besonders krass rüber, laut Augenzeugenberichten waren aber in der Halle selbst wenigstens die Basspedale (über)laut, während davon in der Aufzeichnung gar nichts zu hören war. Deshalb ziehe ich lieber "Godbluff" - obendrein die hoffentlich nach allen Regeln der Kunst remasterte neueste Auflage - als Beweisstück heran. Wenn man den Bass auf "Godbluff" überhaupt einmal hört, dann nur so nebenbei. Nicht nur Klang und Lautstärke sind unauffällig, die gespielten Linien in der Regel auch. Vor allem dadurch ergibt sich eine rhythmische Schwerfälligkeit, fast Statik, die den ansonsten durchaus interessanten Kompositionen vor allem in bewegteren Momenten, aber durchaus auch in getragenen Passagen, Pep und Elan raubt.
Was ich meine, wird etwa illustriert durch den Unterschied in Yes' Musik zwischen Chris Squires Hochzeit zwischen 1972 und 1976 und seinen trägen Bass-"Linien" (denn "Linien" kann man das eben kaum mehr nennen) ab YesWest. Daran, dass etwa "The Ladder" und "Magnification" so schnarchig klingen, hat natürlich vor allem Alan White entscheidenden Anteil. Aber wenn wenigstens nicht auch Squire ein Schatten seines früheren Selbst wäre, wäre schon viel gewonnen. Jetzt stellen wir uns den Squire von Mitte der Siebziger auf "Godbluff" vor: alleine, weil dies nötig ist, fehlt Van der Graaf Generator der letzte Schritt hin zur wirklich großen Band.
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Kommentare
Okay... habe ich wieder nicht genau gelesen ;-) Du bist damit von VdGG befreit...
ThomK
Siehe oben die Antwort auf Siggys Kommentar: weder H to He, noch Pawn Hearts, noch Godbluff geben mir viel. Ich denke, damit kann ich VdGG doch langsam als "naja, was soll's?" abhaken ;-)
Heiligenschändung ;-)
Gerade das ungewöhnliche Klangbild von VdGG (eben auch mitohne Bass) und der theatralische Gesang von Peter Hammill machen einen Grossteil der Faszination von VdGG aus.
Musst Du "H to He" hören... "Killer"... dann solltest Du verstehen ;-)
Ciao, ThomK
H to He und Pawn hearts habe ich; beide begeistern mich nicht wesentlich stärker, daran ändert auch Fripp nix (dessen Beiträge ja nicht sooo prägend ausfallen und der damals seine beste Zeit eh noch vor sich hatte).
Ich denke Godbluff und Still Life waren zwei ganz besonders konsequent auf die schwermütigen texte von Hammill zugeschnittene alben. Daher wollte man m.E. bewußt alles andere als etwa pep und elan vermitteln. Wer sowas tut, dem bedeuten verkaufszahlen nichts. Der will
möglicherweise gar nicht "gross rauskommen". Ich sehe diese zwei alben als eine art singer/songwriter-prog, bei dem die eigenartige atmosphäre wichtiger ist als rockige grooves.
Deshalb vielleicht in die früheren VdGG-Alben reinhören, wie H to He, The Least we can do... und Pawn Hearts. Auf
zwei dieser alben hatten die sogar noch einen bassisten und Fripp als gast.
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