30.10.2006

Auch 'ne Taktik

Wir nennen es Jazz. Zumindest macht's so das Tonträger-Blog der Zeit anlässlich des neuen Albums "Taiga" des Boredoms-Ablegers OOIOO: "Die vier Japanerinnen von OOIOO spielen schrulligen Jazz." (Wenn auch inkonsequent, denn das böse P-Wort kommt im Text des Beitrags dann doch vor.) "Taiga" ist schwer zu kategorisieren, klaro. Aber da auf dem Album nur ein einziges Stück ("kms") zu finden ist, dass mehr als marginal jazzig ist, liegt eine Einordnung in der zugegebenermaßen schwammigen "Avant"-Schublade (wie "AvantProg" oder meinetwegen "AvantPop") deutlich näher - und die haben wir Proggies uns jedenfalls stärker unter den Nagel gerissen als den Jazz.

Taigas Kombination aus minimalistischen Fundamenten, speziell jeweils einfachen, aber verschachtelt ineinander laufenden und so ein komplexes ganzes erzeugenden Riffs mit quäkigem, typischen japanischen Gesang in bizarren Kinderlied-Linien erzeugen immer wieder fast zappaesk komische Moments. Und manche der verfremdeten Klänge erinnern tatsächlich (vgl. den Zeit-Beitrag) an Fred Frith, etwa seine "Guitar solos". Das Ganze kann also bequem im großen Reich der Japan-Avantgarde angesiedelt werden, ohne das J-Wort bemühen zu müssen.

Nicht, dass die Taktik neu wäre, avantgardistisches im Zweifel Jazz zu nennen. Zumindest interpretiere ich so die Anwesenheit der Nummer "Keine Jazz Platte" auf Doctor Nerves "Armed Observation" - die bereits vor knapp zwanzig Jahren erschien.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien