10.11.2006

Atemberaubend


"Wächter des Zwielichts" ist die atemberaubende Fortsetzung von Sergej Lukianenkos Kultromanen "Wächter der Nacht" und "Wächter des Tages"

Soweit der Hype auf der Rückseite von "Wächter der Nacht", einem - wie seine Vorgänger - netten, aber weiß Gott nicht atemberaubenden Roman aus und in Lukianenkos Wächter-Reihe und -Universum. Ein Satz mit einem schwarzen Loch, eben dem Wort "atemberaubend", in diesem Kontext ein reines Floskelwort.

Jeder weiß, dass dem so ist. Soweit so gut. Trotzdem schlecht. Denn ein solches Floskelwort entzieht durch seine reine Anwesenheit auch seinem möglicherweise ansonsten relevanten und informativen Kontext nahezu jede Glaubwürdigkeit - und damit Bedeutung. Dafür spielt es überhaupt keine Rolle, dass das vorgeblich beschriebene (denn wie gesagt: nach dem Erkennen der Floskel als solcher bleibt keine Beschreibung mehr übrig) Buch vielleicht doch atemberaubend sein könnte: Durch seine Verwendung als Hype-Floskel hat sich das Wort von seiner Bedeutung entkoppelt.

Damit hat man entweder eine direkte Widerlegung der Sprachtheorie des logischen Positivismus auf einem Buchdeckel gefunden - oder muss einen an sich harmlosen Hype über ein Fantasy-Buch aus dem Hause Heyne zu einem metaphysischen Satz erklären (was andererseits vielleicht gar nicht so abwegig ist: Durch die Entkopplung von seiner Bedeutung entschwebt das Wort quasi ist in eine andere Sphäre, das Reich des Nichtssagenden, welches natürlich ein metaphysisches Konstrukt wäre)...

Kommentare

Bin dazu noch nicht gekommen. Da ich aber die anderen zwei Teile gelesen habe, bin ich darauf schon ganz gespannt. Vielleicht hab ich diesen in wenigen Wochen in meinem Nikolausschuh???
LG Anke

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