03.11.2006

Asia Filmfest 2006: Re-Cycle

Seltsames Asia Filmfest dieses Jahr. Bei den vier Filmen, die ich bis dato gesehen habe ("Fearless", "Shinobi", "Tokyo Zombie" und eben "Re-Cycle") war zwar kein echter Ausreißer dabei, aber ein wirkliches Highlight fehlt. "Re-Cycle" war dabei noch der interessante Beitrag bisher, wenn auch nicht ohne Problemchen. Auch die Pang Brothers setzen sich mit "Re-Cycle" zwischen die Stühle. Zu Beginn eher typischer Asia-Horror: Im Apartment der erfolgreichen Schriftstellerin Tsui Ting-Yin, der gerade die einsame Arbeit an einem Schauerroman begonnen hat, spielen sich merkwürdige Dinge ab, die den Regisseuren Gelegenheit geben, ein paar Schockeffekte abzuliefern, die aber dieses Genre um nichts neues bereichern.

Aber wie schon die bombastische Vorspann-Musik erahnen ließ (zwar schwer symphonisch, aber hörbar aus der Dose; auch im späteren Verlauf des Films gab es immer wieder wuchtige Filmmusik-Passagen, die stellenweise schlicht zu aufdringlich waren), halten es die Pang Brothers sowieso eher mit den großen Gesten, und so verwandelt sich "Re-Cycle" in einen Fantasy-Mystery-Film: Tsui Ting-Yin gerät in die Welt der weggeworfenen, vergessenen und verdrängten Dinge und muss aus dieser zurück in die Realität finden, wobei sie von einem kleinen Mädchen und einem enigmatischen Alten unterstützt wird.

Dies gibt den Pang Brothers die Gelegenheit, eine fantastische Szenerie nach der anderen in durchaus eindrucksvollen Bildern am Zuschauer vorbei ziehen zu lassen, vom Reich der abgelegten Spielzeuge über weggeworfene Bücher oder vergessene Tote bis sogar hin zum vaginalen Tunnel der abgetriebenen Föten... Dieses ganze wird bildgewaltig serviert - nur das eben für diesen "Reise"-Teil soetwas wie eine "Geschichte" im Rausch der Szenen total ins Hintertreffen gerät. Als Zuschauer fühlt man sich eher wie in einer Ausstellung, in der man von Bild zu Bild geschoben wird (tendenziell in Richtung "Casshern", aber nicht so expressionistisch konsequent überzogen wie jener - und nicht so lang...).

Bestenfalls wie jemand, der einem anderen beim Spielen eines atmosphärischen PC-Adventures über die Schulter schaut, denn die Aufgaben, die es zu bewältigen, und die Hindernisse, die es zu überwinden gilt, erinnern doch stellenweise sehr daran - gemischt mit einem Schuss "Unendliche Geschichte" (vor allem dem Film, denn die Bereiche des Re-Cycle-Lands werden periodisch von einem Strudel erfasst, der die Dinge darin mit sich reisst, damit sie neuen Bestimmungen zugeführt werden können, was filmisch ähnlich umgesetzt wird die Petersens "Nichts"), einem Hauch "Alice im Wunderland" und einem Quentchen Geisterbahn.

Dass der Film doch noch die Kurve kriegt, liegt zum einen an der Moral der Geschicht', die kurz vor Ende enthüllt wird (die ich aber aus Spoilervermeidung nicht nennen möchte) und wenigstens manche der Passagen zuvor etwas stringenter macht, zum anderen auch an dem zusätzlichen Auflösungs-Twist (ebenso: wer's wissen will, soll selber gucken) am Ende des Films, der auf mich zuerst gekünstelt und der Twist-Mode geschuldet wirkte, bei näherer Betrachtung aber doch sinnvoll und konsistent ist.

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