05.11.2006

Asia Filmfest 2006: Memories of Matsuko

Schon letztes Jahr hatte Regisseur Tetsuya Nakashima mit "Kamikaze Girls" einen gleichermaßen unterhaltsamen wie poetischen und optisch glanzvollen Beitrag im Asia-Filmfest-Programm. Dieser wurde allerdings dieses Jahr durch "Memories of Matsuko" noch übertroffen. Dabei hört sich die Inhaltsbeschreibung nicht sonderlich spannend an: Ein junger japanischer Slacker namens Shou, dessen geplante Musikerkarriere nicht stattfindet, erhält von seinem Vater, von dem er sich selbst lange entfremdet hat, den Auftrag, das vermüllte Apartement seiner kürzlich ermordeten Tante Matsuko auszuräumen, mit der seine Familie zuvor seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hatte.

Beim Entrümpeln trifft Shou auf Nachbarn und alte Bekannte Matsukos, findet deren Erinnerungsstücke und setzt schließlich deren tragische Lebensgeschichte zusammen: von der hübschen, jungen Lehrerin bis - dreißig Jahre später - hin zur verlotterten, aufgedunsenen Messie. Matsuko stolpert von einer privaten Katastrophe in die nächste, weil sie lieben und geliebt werden möchte und nicht alleine sein will und kann, bis schließlich ihr ganzes Leben ein einziger Scherbenhaufen ist und sie nicht zum wiederholten Male die Kraft findet, sich erneut aufzurappeln, sondern aufgibt und sich mit Fantasie und Erinnerungen zufrieden gibt.

Der Verdienst von Regisseur Nakashima ist es, dieses Melodrama nicht nur anrührend und auf die Tränendrüse drückend als Sozialkritik zu inszenieren, sondern - auch - mit einer ordentlichen Prise absurden Humors, aufwändigen bonbonbunten Musicalnummern, detailverliebten Kulissen und flotter Inszenierung nach Videoclip-Manier. So wechseln sich nicht nur Lachen und Weinen, Komödie und Tragödie, absurde Optik und melancholische Momente gegenseitig ab, sondern durchdringen und bedingen sich, und statt dadurch zu verwässern, bestärken beide Ebenen sich gegenseitig, und "Memories of Matsuko" wird zu einem bildgewaltigen, aber intimen, wahrlich erinnernswerten bittersüßen Kinoerlebnis - herzerweichend, aber nicht sentimental, unwirklich komisch, aber nicht albern.

(Den einzigen wirklichen Wermutstropfen möchte ich nicht verschweigen: Die digitale Projektion auf dem Asia Filmfest, die notgedrungen ein eher schwammiges, pixeliges Bild bedingte und zwischendrin - ähnlich wie wenige Tage zuvor bei "Tokyo Zombie" auch einen längeren Aussetzer hatte. Schade. Eine gute 35mm-Kopie hatte gerade die bunten, detailverliebten Kulissen noch besser zur Geltung kommen lassen.)

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