01.11.2006

Asia Filmfest 2006: Fearless

Wie schon letztes Jahr ging auch dieses Jahr die Eröffnung des Asia Filmfest schnell und unkompliziert über die Bühne. Die beiden Veranstalter murmelten auf sehr sympathische Weise ungelenke Dankesworte in Richtung Sponsoren, Mitarbeiter und Publikum ins Mikro, wünschten viel Spaß, und los ging's mit dem - deren Wort - "wichtigsten" asiatischen Film diesen Jahre, Jet Lis neuestem und - wenn man seiner Rücktritts-Ankündigung glauben kann - auch letzten Martial-Arts-Film, "Fearless", der auf der Lebensgeschichte des historischen chinesischen Nationalhelden Huo Yuanjia beruht.

"Historisch" ist ein gutes Stichwort, denn von der Ausstattung her handelt es sich bei "Fearless" um ein ziemlich opulentes Historien-Drama. Aber irgendwie konnte sich Regisseur Ronny Yu wohl doch nicht dazu durchringen, eine reine filmische Biographie vorzuzlegen. Und so sitzt "Fearless" schliesslich zwischen verschiedenen Stühlen, ohne - bei allem Reiz, den solche stilistischen Hybride mit sich bringen - dabei in jeder Hinsicht zu überzeugen. Gerade anfangs wähnt man sich, von der deutlich zu opulenten Ausstattung mal abgesehen, fast in einer der klassischen Kung-Fu-Komödien der späten Siebziger Jahre: Die Charaktere werden überzeichnet dargestellt, aber nicht so übertrieben, dass man im genannten Genre wirklich ankommen würde.

Ähnlich zwiespältig verhält es sich mit den guten, rasanten und flott inszenierten, aber überwiegend nicht atemberaubenden, da nicht allzu originellen Kampfszenen: Diese sind großteils im realistischen Bereich angesiedelt, aber immer wieder mit leichten Ausbrüchen in übernatürliche Fähigkeiten, ohne dabei in die überzogenen mythischen Bereiche der Protagonisten von Filmen wie "Hero" oder "Crouching Tiger, Hidden Dragon" zu geraten, aber wiederum deutlich genug, dass man nicht übersehen konnte, dass Special-Effects-Leute ihre Finger im Spiel hatten.

Nach dem beinahe komödiantischen Beginn schlägt "Fearless" um in ein tragisches Drama, dann eine angedeutete Liebesgeschichte, dann wieder Drama. Aber um solche Stimmungssprünge überzeugend durchzuziehen, muss man fast Shakespeare heissen. And auch schauspielerisch wirkt Jet Li hier im Gegensatz zu "Unleashed" ungelenk und überfordert, was ich aber auf die Führung durch die Regie und die stilistische Unentschlossenheit (sei sie gewollt oder nicht) schieben möchte. Es mag auch sein, dass mein Unbehagen mit dem Film an meiner etwas anderen Erwartungshaltung liegt: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Geschichte dermaßen märchenhaft erzählt werden würde (neben den Kampfszenen siehe auch das malerisch verklärte Bergdorf, in dem Huo Yuanjia nach der Tragödie in seiner Heimatstadt landet), sondern eine ernstere, realistischere filmische Biographie.

Aber unabhängig davon gibt es auch andere Punkte in "Fearless", die fragwürdig bleiben, wie etwa die plötzliche und nahezu unvorbereitete Entscheidung Huo Yuanjias, nachdem er wieder mit sich selbst im Reinen ist, sich der Stärkung des chinesischen Nationalgefühls zu widmen. Ein wenig mehr Motivation und Vorbereitung für diesen Schritt hätte ihn sicherlich nachvollziehbarer sein lassen.

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