Aragami
Aragami ist ein Duell im doppelten Sinn: die beiden japanischen Regisseuren Ryuhei Kitamura (Azumi, Versus) und Yukihiko Tsutsumi forderten sich gegenseitig heraus, den bessern, innerhalb von sieben Drehtagen gedrehten Film machen könnte, der ausschließlich an einem Ort spielt und eben das Duell zweier Personen als alleinigen Inhalt hat (Tsutsumis Beitrag ist 2LDK).
Kitamuras Prämisse ist folgende: zwei schwer verletzte Samurai im feudalen Japan suchen eines Nachts nach einer Schlacht in einem bizarren Tempel Asyl. Der eine der beiden Samurai überlebt, und sein Gastgeber entpuppt sich als ein "Aragami", eine Art Kriegsgott, der in diesem Tempel müde geworden auf den Krieger wartet, der ihn besiegt und damit umbringt und erlöst. Diese Geschichte klingt nach Dauergemetzel; so ist es aber nicht. Tatsächlich dauert es gut 25 Minuten, bis zum ersten Mal ein Schwert gezogen wird, und selbst dies bleibt ein kurzes Intermezzo, bis "Aragami" in den letzten 25 Minuten (bei insgesamt gut 75 Minuten Laufzeit) mehr Fahrt aufnimmt.
Große Teile des Films bestehen aus Exposition und reinem Dialog zwischen dem Samurai und dem Aragami, wovon ich inhaltnich nicht mehr verraten möchte, da die Story als solche eben auch komplett über diesen Dialog transportiert wird. Ansonsten sitzen Samurai, Aragami und eine mysteriöse, ebenfalls dort beheimatete Frau im zentralen Raum des Tempels, trinken, reden und belauern sich. A propos Tempel: die Kulissen des Films sind seltsam comicartig und düster, aber weder "realistisch" noch überzogen surreal. Das Budget des Films kann, nicht nur wegen der oben genannten Zeitbeschränkung, nicht sehr hoch gewesen sein. Dafür, dass anfürsich wirklich wenig passiert, ist Aragami ziemlich kurzweilig, auch wenn ich mir mehr Schwertaction gewünscht hätte. Und im unvermeidlichen Endkampf setzt Kitamura obendrein auf eine nette, der visuellen Kohärenz aber nicht sehr förderlichen Idee: eine ganze Zeit lang werden die beiden Kämpfer nur von den Funken beleuchtet, die ihre Schwerter beim gegenseitigen Auftreffen schlagen.
Also: nett, aber dennoch weder so unterhaltsam noch so blutig wie "Versus" oder "Azumi". Der Konkurrenzbeitrag "2LDK" scheint - den Kommentaren nach zu urteilen, die ich hier und da gelesen habe - das Duell gewonnen zu haben. Das kann ich aber erst bestätigen oder bestreiten, wenn ich ihn gesehen haben werde...
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