Als Runrig alle Pommes aßen
Waren Runrig nicht mehr hungrig,
Und wir Armen saßen
Auf halbem Hahn mit trocken Brot.
Am Wochenende war ich wieder mit den Trigonauten unterwegs, diesmal beim 5. Trifels-Festival in Annweiler. Das Line-Up des Festivals bzw. des zweiten Tags war etwas bizarr: neben drei Irish-/Scottish-Folk beeinflussten Bands, namentlich Paddy Goes To Holyhead, Fiddler's Green und Runrig, standen Trigon auf dem Programm. Seltsam war schon die Anfahrt: als ich mich durch das Festival-Gelände zum Bühnenbereich durchschlug, passierte ich eine Kolonne von Damen im besten Alter, die in "Runrig Clan xy"-Sweatshirts gehüllt waren sowie etliche Camper mit wehenden schottischen Fahnen (wohl nicht nur von Gewebe-Natur). Trigons Heavyzenjazz schien mir in diesem Umfeld etwas deplatziert, aber der Veranstalter mag Trigon, und jeder Auftritt ist eine Erfahrung wert und aus den ungewöhnlichsten Umständen kann manchmal die beste Musik entstehen.
Als ich gegen 16:30 ankam, schallten von der Bühne schon die Rummser eines Soundchecks: Runrig waren bereits als erste beim Soundcheck zugange. Trigon sollten um 0:40 nachts als letzte die Bühne betreten und hatten deshalb auf ihren ursprünlich für 13:30 angesetzten Soundcheck verzichtet. 18:00 Uhr sollte Einlass sein, um 18:30 sollten Paddy Goes To Holyhead das Programm eröffnen. Tatsächlich wurden gegen 18:00 die Tore geöffnet, während Runrig noch in den letzten Zügen ihres Soundchecks lagen. Die ersten Fans stürmten nach vorne, um sich gute Plätze zu sichern. Runrig verliessen die Bühne. Kurz danach, gegen 18:05, kam eine Durchsage des Veranstalters: die Fans sollten bitte den Publikumsbereich wieder verlassen, da Runrig ihren Soundcheck sonst nicht fortsetzen könnten: der Innenraum wurde wieder evakuiert. Gegen 18:10 begaben sich Runrig wieder auf die Bühne, die sie gegen 18:15 wieder verliessen, worauf das Publikum wieder eingelassen wurde...
Danach begaben Runrig sich zum Catering, wo auch wir unser für 18:30 angesetztes Abendessen bald zu uns nehmen sollten. Als wir gegen 19:00 unsere vorbestellten halben Hähnchen mit Pommes bekommen sollten, gab es nur noch halbe Hähnchen mit Ketchup und Brot: Runrig hatten alle vorhanden Pommes requiriert und vertilgt. OK. In der Not schmeckt der Hahn auch nur mit Brot.
Paddy Goes To Holyhead haben es tatsächlich irgendwie geschafft, halbwegs pünktlich ihren Auftritt zu beginnen und abzuschliessen. Musikalisch ist die Vermischung von Folk und Rock nicht so mein Ding, deswegen will ich nicht viele Worte dazu verlieren. Von den drei anderen Bands haben mit die Paddies aber am besten gefallen, auch wenn das Akkordeon kaum zu hören war. Danach Fiddler's Green, die eine rockigere Noten mit Punk-Einflüssen anschlugen, was mir nach zwei Stücken in der Tat etwas auf die Nerven ging. Runrig anschliessend waren mit ihrem hymnischen Scotish-Rock professionell aber eher langweilig. Das Publikum mochte es aber.
Als Runrig gegen 0:10 mit Konzert plus Zugaben fertig ware, gab's erstmal eine längere Umbaupause. Der Runrig-LKW musste vor die Bühne gefahren, ihr komplettes Equipment ein- und weggepackt sowie das Bühnendach zwecks Abbau des Runrig-Beamers runter- und wiederhochgelassen werden. Wir begannen gegen 1:00. Immerhin hatten es noch einige dutzend Zuhörer bis dahin, trotz - wie den ganzen Tag über - ständig ein- und aussetzenden Regens - ausgehalten, von denen wir sogar einen ordentlichen Teil halten konnten, bis das Ordnungsamt gegen 1:45 den Gig abwürgte. Bis dahin machte das Spielen trotz überschaubarer Zuschauerkulisse tatsächlich Spass: unbelastet dadurch, nicht vor wahrscheinlich eher desinteressierten Fans der anderen Bands aufspielen zu müssen und obendrein zu merken, dass diejenigen, die ausgeharrten hatten - trotz des Kommentars "Mitm Singä habter et net so, oder?" - auch Spass am trigon'schen Impro-Rock hatten, machte die lange Wartezeit und meine Sorgen angesichts der seltsamen Lineup-Zusammenstellung vergessen.
Obendrein war genau an diesem Tag die brandneue "Herzberg 2004"-Trigon-CD eingetroffen, die sowohl von Sound als auch Gestaltung her wirklich gut geworden ist. Und ein Tag mit den Trigonauten ist als solcher alleine schon immer eine Reise wert, so dass am Ende, trotz divenhafter Schotten ohne Röcke, der ganze Trip wieder eine nette Geschichte mit hohem Anekdotenwert war (hier ist noch lange nicht alles verraten...).
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