17.03.2005

Alben, die kaum jemand kennt, Teil 1: Clockhammer - So Much For You

Na gut, ganz sicher bin ich nicht, ob kaum jemand "So much for you" kennt. Clockhammer selbst scheinen gar nicht so unbekannt zu sein, aber bei allmusic.com wird das Album nicht mal geführt, und eine Google-Suche danach ergibt nur eine handvoll brauchbare Treffer.

Immerhin tauchte die CD in irgendeiner Jahresbestenliste der deutschsprachingen Ausgabe des Rolling Stone auf Platz 50 oder so auf, zu Zeiten, als ich dieses Blatt noch halbwegs regelmäßig las, weil das WWW noch in den Kinderschuhen steckte und dementsprechend andere Musikinformationsquellen ungleich wichtiger waren als heutzutage. Dort wurde es beschrieben mit den Worten "Byron Bailey erfindet den Heavy Metal neu" oder so ähnlich. Metal per se interessiert mich nicht sonderlich, aber "neuerfundener Metal": das könnte interessant sein, dachte ich. Natürlich ist die Aussage ziemlicher Quatsch: auf "So much for you" sind gerade mal geschätzte 12-16 Takte, die man mit gutem Willen als metalartig bezeichnen könnte. Etwa genauso viele Takte Jazzrockiges finden sich auf dem Album, trotzdem würde niemand mit genügend Tassen im Schrank behaupten, dass Clockhammer den Jazz neu erfänden. OK, gelegentlich gibt's ein paar verzerrte, harte Gitarren, aber im Grossen und Ganzen spielen Clockhammer hier mutierten Grunge, der "Die Welt ist böse und ich bin sauer"-Attitüde durch Melancholie und polterndes Postpunk-Geknarze durch gelegentliche Vertracktheiten ersetzt (das Vorgängeralbum "Klinefelter" habe ich sogar schon als "ProgMetal" bezeichnet gesehen, was ich für "So much for you" aber nicht unterschreiben würde).

Das ganze kommt ziemlich atmosphärisch und dicht rüber, und kleinere Unsauberheiten im Gesang erhöhen eher den Charme-Faktor. Daher kam ich auch dazu, das Album vor kurzem nach langer Zeit mal wieder aus dem Schrank zu ziehen: beim Vorab-Hören des neuen Porcupine Tree-Werks wurde seltsamerweise daran erinnert, aber eben mit dem Unterschied, dass Steven Wilson seine Musik so perfekt auf Hochglanz poliert und produziert, dass sie meines Erachtens an unmittelbarer Wirkung verliert.

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