05.04.2007

300

Kein Zweifel: Comic-Verfilmungen boomen. Was nicht unbedingt heißt, dass "Hollywood" eigenständige Ideen für Filme ausgehen (Literatur- und Comic-Verfilmungen sowie Kinofilme nach Fernsehserien gibt es schließlich seit Jahrzehnten). Sondern sicher auch daran liegt, dass viele aktuelle Drehbuchautoren und Regisseure als Comic-Fans aufgewachsen sind. Nicht nur als Comic-Fans, sondern mit Comics, die die ehemaligen "Funny Books" als Kunstform etabliert haben, so dass inzwischen auch ambitioniertere "Graphic Novels" von großen Comic-Autoren zu Filmen werden - wie Frank Miller, dessen "Sin City" bereits vor zwei Jahren eine kongeniale Verfilmung erfuhr.

Diesmal hat es "300" erwischt, unter der Regie von Zack Snyder (Regisseur des "Dawn of the Dead"-Remakes, der demächst - à propos Comic-Verfilmung - Alan Moores "Watchmen" in Angriff nehmen will). "300" erzählt frei die historische Schlacht bei den Thermopylen nach, in der ein kleines griechisches Heer unter Führung des Spartaners Leonides sich den anrückenden, zahlenmäßig weit überlegenen Persern entgegenstellte.

Ähnlich wie Robert Rodriguez bei "Sin City" hält sich Snyder bei "300" von der Optik her nah an die Comic-Vorlage, was auch hier stark stilisierte, beeindruckende Bilder ergibt, die in warme Bronze-Farben getaucht sind - ein Augenschmaus, der fast darüber hinwegtröstet, dass die eigentliche Geschichte ziemlich geradelinig, um nicht zu sagen recht gewöhnlich ist. Die üppigen Muskeln der halbnackten Spartaner glänzen ("300" sollte von daher ein Fest für Frauen und Schwule sein), und der Film nähert sich dem Comic-Look sogar soweit an, dass fast alle Action-Szenen in Zeitlupe gehalten sind und damit den in der Bewegung "eingefrorenen" Panels im Comic noch näher kommen. Die Action selbst ist flüssig und elegant inszeniert, so dass bei aller blutigen Brutalität eher der Eindruck eines komplizierten Balletts als hemmungslosen Gemetzels entsteht. Jedenfalls wirkt "300" deutlich epischer und eindringlicher als etwa Petersens "Troja", ein Film, der eigentlich die vom Grundmaterial her wesentlich ergiebigere Vorlage hatte.

Aber: Man darf sich fragen, ob es auf genauso viel Kritiker- und Zuschauer-Begeisterung wie bei "300" stoßen würde, wenn jemand einen zeitgenössischen Krieg (oder meinetwegen sogar zurückgehend zum 1. Weltkrieg und den Schützengräben) ähnlich ästhetisierend (obschon nicht wirklich gloriefizierend) inszenieren würde. Oder gar die zurückliegenden (und evtl. zukünftigen) Konflikte zwischen okzidentalen Nationen und Mächten in Nahost. Was erst recht kontrovers würde durch eine Zeichnung der Westler - wie hier der Spartaner - als freiheitsliebend, mutig, aufrichtig und selbstlos und der Orientalen (hier die Perser und ihre Vasallen) als monströs, korrumpierend, machtversessen und dekadent.

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