05.06.2007

28 Days Later...

Obwohl er sich einiger Mechanismen des klassischen Horrorfilms bedient, ist "28 Days Later..." eigentlich kein solcher. Das Horrorszenario ist eigentlich nur der Anlass dafür, eine Gruppe von Figuren in eine Extremsituation zu bringen, ihr Verhalten zu beobachten und so nach Möglichkeit über das Wesen des Menschen ausszusagen. Dazu kommt eine Spur Medienkritik: Die Seuche, die die Bevölkerung Großbritanniens großteils zu Zombieartigen werden lässt, entsteht dadurch, dass Versuchsprimaten unablässig Videos von Gewalttaten und Aufständen ausgesetzt werden - sie werden mit "Wut" infiziert. Und diese Wut sorgt schließlich für den Zusammenbruch der zivilisierten Gesellschaft, gleich doppelt, da wütende Tierschützer die Versuchsaffen befreien und so den Wutvirus entfesseln.

Natürlich ist es zwiespältig, wenn ein durchaus gewaltbetonter Film mit etlichen Gore- und Actionelementen auf diese Art und Weise mediale Gewaltdarstellungen anprangert, aber das gehört wohl spätestens seit Oliver Stones "Natural Born Killers" zum postmodernen Spiel der Medien mit ihrer eigenen Wirkung.

Natürlich liefert "28 Days Later..." auch einen Gegenentwurf zum Gewaltchaos: Die Familie als Keimzelle von Liebe und Frieden - insofern müsste der Film Konservativen aller Orten eigentlich gefallen. Nicht einmal eine (also: die) Kirche bietet einen Zufluchtsort.

Die Nicht-Infizierten Jim und Selena finden aber mit Taxifahrer Frank und seiner Tochter Hannah einen kleinen Hort der Hoffnung und der Menschlichkeit und machen sich mit ihnen auf den Weg nach Manchester, wo es laut eines automatischen Funkspruchs weitere Überlebende gibt. Gibt es - eine Einheit Soldaten, die in einer abgeschotteten Villa den Wiederaufbau der Zivilisation plant. Aber mit ziemlich unzivilisierten Mitteln, was schließlich zu einer weiteren Tragödie führt, bei der die Zombies nur eine Nebenrolle spielen. Eine Organisation, in der der einzelne einfach nur funktioniert, kann also im Gegensatz zur Familie die Zukunft der Menschheit nicht sichern.

Deutliche soziologisch-philosophisch-politische Subtexte teilt sich "28 Days Later..." mit vielen weiteren Horror-Filmen, u.a. mit der "Dead"-Tetralogie von George Romero. Und nicht nur den Subtext: Viele Motive der Geschichte sind bei Romero geborgt, speziell bei "Dawn of the Dead" und "Day of the Dead", so dass "28 Days Later..." zwar ein guter und interessanter Beitrag zum Genre der apokalyptischen Zombie-Filme ist, aber nur bedingt ein origineller.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien