1. Münchner Prog-Reunion Nacht, Metropolis, München, 13.1.2007
Ganz schön gut besucht, die erste Münchner Prog-Reunion Nacht, muss ich sagen. Ich bin schrecklich schlecht im Schätzen von Besucherzahlen, aber wenn mich jemand fragte, würde ich tippen, dass es schon ca. 500 Zuhörer waren. Das Metropolis auf dem Kultfabrik-Gelände war somit sehr gut gefüllt. In allgemeinen Jubel nach dem Motto "Hurra, auch für Prog gibt es in München ein Publikum" auszubrechen wäre dennoch verfehlt, denke ich. Mein Bauchgefühl sagt mir nämlich, dass gleich drei alte Münchner Bands auf einen Streich einen großen Haufen alter Freunde und Bekannter ziehen, die für zeitgenössische Prog-Bands in gleicher oder auch nur annähernder Weise zu aktivieren schwer fallen könnte. Diese Vermutung ist nicht zuletzt dadurch unterfüttert, dass der Altersdurchschnitt der Besucher durch meine Anwesenheit merklich nach unten gedrückt worden sein dürfte, was in den letzten Jahren zunehmend seltener vorkommt.
Wie dem auch sei: Denn Gruppen sei der Erfolg vergönnt, und angesichts des Aufwands, der für die Veranstaltung getrieben wurde, war wohl auch finanziell ordentliches Zuschauerinteresse nötig: Neben einer Live-Übertragung ins Internet durch rockradio.de und Moderation von Guy Fränkel von Rockantenne wurden alle Konzerte von einem halben Dutzend Kameras mitgeschnitten. Ich hoffe, das entstandene Material findet später in bearbeiteter Form seinen Weg auf erwerbbare Bild- und Tonträger; dass "Central Park" ein professionelles Video zu produzieren wissen, haben sie bereits bewiesen.
Die musikalische Teil des Abends ging recht pünktlich gegen 18:15 los, als die Engel wider Willen ihren Auftritt begannen. Die herausragende Besonderheit an den Engeln ist natürlich die Präsenz eines Countertenors in der Besetzung. Leider war dieser im Mix etwas zu weit hinten, d.h. die anderen Instrumente und Sänger kamen deutlicher und lauter rüber. Bis auf den Bass - das untere Ende des Frequenzspektrums, Bass und Bass Drum, blieben auch bei den anderen Bands im Vergleich zum ansonsten recht guten und nicht zu lauten Sound eher undefiniert. Musikalisch gab es von den Engeln wider Willen gut gemachten, angenehmen Artrock zu hören, in den sich kompositorisch und natürlich durch die Präsenz von Countertenor und Violine immer wieder klassische Untertöne mischen, der aber ansonsten durch die Unterstützung durch elektronische Drum-Loops recht modern und ganz ähnlich zu den letzten Peter-Gabriel-Platten klingt, ein Eindruck, der dadurch unterstützt wird, dass Gitarrist Martin Kursawe nicht nur einen ähnlichen Stil wie Gabriel-Gitarrist David Rhodes hat, sondern auch noch ähnlich aussieht. Also nett und nobel: ja. Auf Dauer aufregend: nein. Zu sehr gleichen sich Aufbau und Sound der Stücke, insgesamt fehlen mir Kick und Höhepunkte.
Nach kurzer Umbaupause ging es weiter mit Central Park, die einen soliden und routinierten Auftritt hinlegten und das Material ihres Albums "Unexpected" inklusive der langen "Don't Look Back"-Suite überzeugend darbrachten. Wer deren Kreuzung von Melodic/AOR und Prog-Einflüssen mag (ich persönlich nur bedingt), wurde auf jeden Fall gut bedient, auch wenn die junge opereske Gastsängerin bei Suite und Zugabe anfangs nicht sehr tonsicher wirkte, was sich aber im Laufe der Nummer besserte.
Die Umbaupause bis zu den abschließenden Sahara (Zeitreise rückwärts: von den 90ern, Engel wider Willen, über die 80er, Central Park, in die 70er) zog sich anschließend ziemlich lange, vermutlich wegen technischer Probleme, was sich aber nicht genau nachvollziehen ließ, da der Vorhang zur Bühne zwischen den Bands geschlossen wurde. Das Warten lohnte sich aber, da Sahara die musikalisch (für mich) interessanteste Gruppe des Abends waren. Zugegebenermaßen kann ich bis dato keines der beiden 70er-Jahre-Alben der Band, aber ihr Auftritt bei der Prog-Nacht hat mir tatsächlich Lust gemacht, zumindest bei eBay ein bis zwei Augen nach ihnen aufzuhalten: Die Mischung aus symphonischem Sound à la Camel (aber weniger langweilig), verspielten Anklänge an Caravan, gelegentlichen Jam-Passagen und meinetwegen einem kleinen Schuss Yes sowie psychedelischem 60s-Rock/-Pop war unterhaltsam und wurde von der Band gut gelaunt und locker vorgetragen. Feine Sache.
Vor allem dieser ansprechende Abschluß des Abends lässt mich wünschen, dass der 1. Münchner Prog-Reunion-Nacht tatsächlich eine 2. folgen mag, und durch den offensichtlichen Publikumserfolg stehen die Chancen dafür vielleicht nicht schlecht.
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