19.12.2004

004 - Lizenz zum Tönen, Teil 2

Schweden ist auch nicht mehr, was es mal war...

Zwei der eher enttäuschenden Alben diesen Jahres kommen aus dem hohen Norden. Wobei sich in Sachen "Flower Kings" meine Enttäuschung sogar in Grenzen hält: dass "Adam & Eve" den Vorgänger "Unfold The Future" toppen können würde, war nicht zu erwarten. Aber dass Adam und Eva es so behäbig und lahm im Paradies gehabt haben sollen? Kein Wunder, dass Eva ein bisschen Leben in die Bude bringen musste.

Ebenfalls eher mau aufgenommen wurde das langerwartete Konzeptwerk "Be" der ProgMetaller Pain Of Salvation. Rund um Bandkopf Daniel Gildenlöw (der inzwischen ja auch mehr oder weniger permanentes Flower Kings Mitglied ist) wird von manchen ein Personenkult betrieben, den ich noch nie nachvollziehen konnte: etwa die hochgelobten Alben "One Hour By The Concrete Lake" und "The Perfect Element I" konnten mich nie sonderlich begeistern. Bei einem Live-Konzert in Heidelberg vor ein paar Jahren klang die meisten Lieder von Konzept und Ideen her einfach zu gleich; plingende Keyboard-Arpeggios im Intro z.B. sind eben plingende Keyboard-Arpeggios im Intro, auch beim dritten oder vierten Mal. Trotzdem war ich gespannt auf das ambitionierte neue Album. Leider erstickt "Be" vor allem im ersten Drittel am eigenen Anspruch, an viel zu vielen Sprachteilen und zwanghaftem Abwechslungsreichtum, der das Aufkommen von Atmosphäre verhindert. Wie hingegen ein vielschichtiges, anspruchsvolles, üppig orchestestriertes, metallisches Album mit konzeptionellem Unterbau gelungen klingen kann, zeigen Sleepytime Gorilla Museum (siehe "Teil 1").

...dafür rockt es anderswo hart und vertrackt...

Pain Of Salvation desillusionierten, Disillusion erlösten: deren knochentrockene, bretterharte, aber trotzdem für anhaltende Unterhaltung absolut ausreichend verspielte Debüt-LP "Back to Times of Splendor" bestätigte ein weiteres Mal die Tendenz, dass ich in letzter Zeit nicht nur meine Black Music Ader entdeckt habe (nach Prince - schon lange - und P.Funk - Herbstdepressionen vertrieben - schlagen gerade Earth, Wind & Fire Funken in meinem Player), sondern mir auch immer mehr Juwelen im Metalmantel entdecke: Ephel Duath, Behold... The Arctopus, The Mass und jetzt Disillusion. Dass ein solch feines Album obendrein aus Deutschland (Leibzig... Verzeihung, Leipzig) stammt, läßt noch mehr hoffen.

...was über einen sanften Abschied hinwegtröstet

Nicht mehr hoffen braucht man wohl auf weiteres unbekanntes Material aus dem Hause Gentle Giant. Dieses Kapitel scheint mir dem Erscheinen der opulenten 4-CD-Box "Scraping The Barrel" (inklusive übervoller Daten-CD) sowie der "Giant On The Box"-DVD endgültig zugeschlagen. Wenn nicht ein Wunder geschieht und sich die Band wieder zusammenfindet, was mehr als unwahrscheinlich erscheint, ist damit der Boden des Fasses erreicht. Aber immerhin wurde dieser in einem würdigen Rahmen ausgekratzt.

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